Mammäa

Mammäa. Rom, das unter den Kaisern oft durch Menschen von der niedrigsten Herkunft beherrscht ward, sah es immer noch als ein Glück an, wenn ein Mann von großen Gaben, oder eine edle Frau aus besserem Geschlechte, sich der Regierung bemächtigte, und mit festem Willen die Zügel des Reichs lenkte, welche den Händen elender Weichlinge entfallen waren. Darum beugte es sich auch willig unter die Herrschaft einer Frau, wie Mammäa, die, als ihr Sohn Severus von Heliogabalus adoptirt worden war und nach dessen Tode zur Regierung gelangte, statt seiner die Zügel des Reichs ergriff und denselben unumschränkt beherrschte. In diesem Geschäft ward die stolze, aber staatskluge Frau durch den berühmten Rechtsgelehrten Ulpianus und von 16 der weisesten Männer unterstützt, die sie sich gewählt hatte. Durch sie blieb Rom von dem bösen Nachlaß des üppigen Heliogabalus, von der obscönen Götzendienerei, vom Aberglauben und der Schwelgerei befreit. Die Kreaturen desselben, welche des Landes Mark ausgesogen und der Bürger Ehre befleckt hatten, wurden vom Ruder des Staats entfernt, Gelehrsamkeit, Künste des Friedens und Kriegs, Bürgertugenden, Gerechtigkeit, Tapferkeit geehrt und belohnt und bei so vielen Tugenden wissen ihr die Geschichtschreiber nur Geiz vorzuwerfen. Als Severus von einem glücklichen Feldzuge in Persien nach Europa zurückkehrte, ward er von den Soldaten, die seiner scharfen Mannszucht überdrüssig waren, in dem Dorfe Siklingen am Rhein, ermordet, und auch Mammäa, der Manche Schuld gaben, sie sei die Anstifterin dieses Aufstandes gewesen, fiel als ein Opfer desselben.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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