Mancini, Hortense

Mancini, Hortense

Mancini, Hortense, die jüngere Schwester der Vorhergehenden, geboren 1646 zu Rom, war eine der schönsten Frauen ihres Jahrhunderts. In einem Alter von 6 Jahren kam sie nach Paris und wurde hier unter der Aufsicht ihres Oheims, des Kardinals, der die Zärtlichkeit eines Vaters für sie hegte, sorgfältig erzogen. Karl II., König von England, und der Herzog von Savoyen verlangten ihre Hand; Mazarin aber glaubte auf die Ehre der Verwandtschaft mit zwei souverainen Fürsten, die eben nur dadurch die Allianz Frankreichs suchten, verzichten zu müssen. Er vermählte seine Nichte, 1661, mit dem Herzog de la Meilleraie, unter der Bedingung, daß dieser den Namen und das Wappen der Mazarins annehme. Nie gab es eine unpassendere Verbindung, Hortense jung, lebhaft, leichtsinnig, liebte die Welt, wo sie von einer Schar von Anbetern umschwärmt wurde; der Herzog, ihr Gemahl dagegen, war geizig und eifersüchtig, übertrieben in seiner Unterwürfigkeit, mied die Geselligkeit und verlangte von einer Frau, die ihm eine Aussteuer von 30 Mill. zugebracht, Paris zu verlassen und ihm von Stadt zu Stadt in seine verschiedenen Gouvernements zu folgen. Hortense beschloß endlich, sich aus diesem Sclavenjoche (wie sie es nannte), zu befreien und setzte diesen Vorsatz mit Hilfe ihres Bruders, des Herzogs von Nevers, in's Werk. Er gab ihr Pferde und eine Escorte, um sie nach Rom zu schaffen. Dort wollte sie sich bei ihrer Schwester Maria verbergen. Ihre Flucht fand den 13. Juni 1668 Statt. Der Herzog von Mazarin, welcher sogleich Klage erhob, führte auch Beschwerde gegen ihren Bruder, wegen heimlicher Begünstigung der Flucht. Er erhielt vom Gerichtshofe einen Verhaftsbefehl, Kraft dessen er sie überall festnehmen konnte. – Hortense, von ihren Verwandten mit Vorwürfen überhäuft und deren müde, schrieb endlich an den Herzog, bat ihn um Verzeihung wegen ihrer Thorheit, und um die Erlaubniß zur Rückkehr, versprach Besserung und gelobte von nun bloß nach seinem Willen und Rathe zu leben. Er aber antwortete: so bald sie 2 Jahre in einem Kloster zugebracht haben würde, wolle er sehen, was zu thun sei. Das Geld, welches sie mitgenommen, war bereits aufgezehrt; ihr blieb nichts als die Edelsteine, die sie für eine Summe weit unter dem Werthe losschlug. Sie ging nach Frankreich zurück, um auf eine Pension zu dringen, auf welche sie in Anbetracht der vielen Güter, welche sie ihrem Gatten zugebracht, Anspruch zu haben glaubte. Ludwig XIV., der sich zu ihrem Beschützer aufwarf, rührte ihre Lage, er bewilligte ihr eine jährliche Pension von 24,000 Livres und 12,000 L. Reisegeld, um nach Rom zurückkehren zu können – wozu jedoch ihr Gatte keineswegs seine Zustimmung gab. Kaum in Rom angekommen, entfloh sie von da mit ihrer Schwester (s. d. vorhergeh. Art). Nachdem sie diese verlassen, zog sie sich nach Chamberi zurück, wo sie drei Jahre blieb und den Mittelpunkt der vornehmen Gesellschaft sowohl durch ihren Geist, wie durch ihre Herkunft, bildete. Nach dem Tode des Herzogs von Savoyen, der ihr Beschützer war, mußte sie befürchten, gleichen Schutz bei der Regentschaft nicht zu genießen, und ging daher in Gesellschaft des Abbé de Saint Réal nach England. Karl II. nahm sie mit vielem Wohlwollen auf und wies ihr aus seiner Privatchatulle eine Pension von 4000 Ps. an. Sie würde auf jeden Fall in dem Herzen des Königs den Platz der Herzogin von Portsmouth erhalten haben, hätte sie sich nicht für die Huldigungen des Prinzen von Monaco empfänglich gezeigt. Karl, ärgerlich über den Vorzug, welchen sie seinem Nebenbuhler gab, zog die Pension ein – widerrief aber den Beschluß wenige Tage nachher, da er sich schämte, eine solche Blöße zu geben. Das Haus der schönen Hortense wurde von nun an der Sammelplatz der geistreichsten und vornehmsten Bewohner Londons. Sie selbst schien mit Eifer sich den Wissenschaften zu widmen, aber auf die Vorliebe für die schönen Künste folgte bald die zum Spiel. Hortense saß ganze Nächte am Spieltisch, verlor hohe Summen, welche oft ihre Freunde bezahlen mußten. Umgeben aber von einer Schar von Anbetern beschloß sie jetzt eine Wahl zu treffen; sie richtete ihr Augenmerk auf den Baron von Banier, einen schwedischen Edelmann von vielen Verdiensten. Der Vorzug, welchen sie ihm gab, erregte die Eifersucht des Prinzen von Savoyen (Monaco), ihres Neffen. Er forderte den Baron und tödtete ihn im Zweikampf (1683). Hortense wurde durch diesen Vorfall ungemein betrübt; sie ließ ihr Gemach schwarz ausschlagen und verschloß sich darin mehrere Tage, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Saint-Evremond, ihr bester Freund, suchte sie zu trösten. Sie verkündigte ihm ihren Entschluß, nach Spanien zu gehen und ihr Leben in demselben Kloster zu beschließen, wo ihre Schwester schmachtete. Es kostete aber nur geringe Mühe, sie zu überzeugen, wie wenig ihr Temperament zu einem ruhigen und regelmäßigen Leben passe. Mit der wiederkehrenden Gesundheit kehrte bei Hortensen auch der Geschmack an irdischen Freuden zurück und sie öffnete ihr Haus nach wie vor der vornehmsten Gesellschaft Londons. Die Revolution, welche Wilhelm von Oranien auf den britischen Thron setzte, beraubte auch Hortensen ihrer Pension – und so ihrer einzigen Hilfsquelle. Der Herzog von Mazarin benutzte diesen Umstand, um einen neuen Prozeß gegen sie anhängig zu machen; er wirkte ein Urtheil des obersten Gerichtshofes aus, laut dessen sie aller ihrer Rechte verlustig wurde, wenn sie nicht sofort zu ihm zurückkehrte. Hortense stellte dagegen vor, daß sie bedeutende Schulden in England habe und nicht zurückkehren könne, bevor diese nicht getilgt wären. Doch Alles dieß war vergebens. Die Gläubiger hielten sich an ihre Habe, nahmen ihr die Effecten weg, und so sah sie sich dem größten Elend Preis gegeben. König Wilhelm, davon unterrichtet, warf ihr einen Jahrgehalt von 2000 Pfd. aus und in Folge dessen kehrte Hortense zu ihren alten Gewohnheiten zurück. Sie brachte den Winter in London, den Sommer in Chelsea zu. Hier erkrankte sie im Juni und starb den 2. Juli 1699,53 Jahre alt. Bis zu ihrem Tode war sie im Besitze der seltensten Schönheit und Anmuth geblieben. Sie hatte von jeher eine große Gleichgiltigkeit gegen das Leben gezeigt und verhehlte dieß auch nicht. Ihr Geist war stets lebhaft, ihre Rede herzgewinnend; nie ist es ihr beigekommen, für eine Schriftstellerin gelten zu wollen. Ihre poetischen Versuche las bloß Evremont und durfte sie wegen der darin vorkommenden orthographischen Fehler necken. Die Memoiren, welche unter ihrem Namen erschienen, rühren von Abbé Saint Réal, der ihr treuester Anhänger blieb, her. Noch bei ihren Lebzeiten mußte ihr Saint-Evremont eine Leichenrede halten; sie wollte wissen, wie man nach ihrem Tode von ihr sprechen würde.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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