Mansfeld, Agnes, Gräfin von

Mansfeld, Agnes, Gräfin von, Agnes, Gräfin von, aus dem uralten und berühmten Geschlechte der Mansfelds, dessen weibliche Sprossen mit wenigen Ausnahmen durch Schönheit berühmt waren. Elisabeth von Mansfeld, welche 1495 starb, war – wie die Geschichte berichtet, die schönste Dame ihrer Zeit, bewundert und geliebt von Allen, die sie kannten. Sie hatte, vom Drange nach Wissen getrieben, durch vieles Lesen sich die Augen verdorben, wollte ein Wasser dafür brauchen und ergriff aus Versehen Scheidewasser. Dadurch wurde sie eines Auges beraubt; doch blieb dessen ungeachtet ihre Schönheit so herzgewinnend, daß man sie von da an die einäugige Venus nannte. Eine ihrer Urenkelinnen war die schöne Agnes, Gräfin v. Mansfeld, Stiftsdame von Giersheim. Der Erzbischof Gebhard II. von Köln, Freiherr von Truchseß, ein Freund der Magie, erblickte, noch ehe er sie kennen lernte, ihr Bild in einem Zauberspiegel und entbrannte, seiner priesterlichen Würde und Verpflichtung uneingedenk, in so heftiger Liebe zu ihr, daß er Alles anwandte, ihre Neigung zu gewinnen. Sein Geist, seine Jugend und Schönheit verfehlten ihren Eindruck auf Agnes nicht; die damals weit vorgeschrittene Reformation begünstigte indirect ein solches Verhältniß. Einige Zeit lang dauerte die Verbindung der Liebenden unter dem Schleier des Geheimnisses – aber endlich wurde sie ruchbar, und Agnesen's Brüder, ein heimliches Verständniß mit der Ehre ihres Hauses für unvereinbar erkennend, zwangen den Erzbischof, sich öffentlich mit ihr trauen zu lassen und die reformirte Religion anzunehmen. Dieß geschah 1583, wo Agnes kaum 20, der Erzbischof etwa 40 Jahr alt war. Es war der Zeitpunkt der religiösen Gährungen; die gespaltenen Glaubenselemente traten sich schroff und drohend entgegen – und so kam es, daß eine Reformation, wie sie der Bischof nach seiner Glaubensänderung beabsichtigte, nicht gefiel, weil sie augenscheinlich durch irdische, für beide Theile unerlaubte, Liebe hervorging. Der Erzbischof, in welchem man von nun an weder den Priester, noch den geistl. Oberhirten, sondern den Liebenden, den von den Reizen eines Weibes in Fesseln geschlagenen Schwärmer erblickte, verlor die allgemeine Achtung. Das Domcapitel entsetzte ihn, das Volk, auf dessen Schutz er baute, verließ ihn. Die lutherische Partei, mächtig genug, den Fürsten zu beschützen und an ihre Spitze zu stellen, unterließ dieß aus Engherzigkeit, weil Gebhard Calvinist geworden war. So sah sich der geistliche Fürst genöthigt, mit seiner schönen, trotz aller Lebensstürme und Widerwärtigkeiten heißgeliebten Gemahlin, nach England zu fliehen. – Agnes warf sich der Königin Elisabeth zu Füßen, Schutz und Hilfe flehend; sie hoffte Beides unter dem Scepter der »Beschützerin des neuen Glaubens« zu finden: Rang, Herkunft, Religion berechtigten sie dazu. Aber die große Elisabeth war nur zu oft ein schwaches, launenhaftes Weib. Sie bemerkte, daß die schöne Büßerin einen lebhaften Eindruck auf Essex, ihren Liebling gemacht, daß dieser sich der reizenden Agnes mit einem Feuer und einer Theilnahme annahm, welche eine tiefere Leidenschaft zu verrathen schien: die Eifersucht entbrannte im Herzen der alternden Königin und – sie verstieß die Hilfesuchenden kalt und hart. – Die armen Liebenden endeten in Vergessenheit – schrecklich war das Erwachen nach ihrem Liebesrausche – dunkel ihr Loos, gewiß auch ärmlich und kummervoll. Sie verschwinden in der Geschichte – diese hat nicht einmal ihr Todesjahr aufgezeichnet. Sie waren schon vergessen im Leben! – Agnes hatte »menschlich, jugendlich gefehlt,« – die Folgen ihres Irrthums büßte sie während einer langen Reihe von Jahren. Man muß die Zeitverhältnisse berücksichtigen, um diese Frau, deren persönlicher Charakter in allem Uebrigen von jedem Vorwurfe frei ist, nicht zu hart zu richten. – 1780 starb die mansfeld'sche Linie mit dem Fürsten Franz Joseph Wenzel aus und dessen Tochter heirathete einen Grafen Colloredo, seit welcher Zeit die Namen Colloredo-Mansfeld vereinigt sind. – Agnesen's Liebes- und Leidensgeschichte hat Grattan in einem historischen Romane sehr anziehend geschildert.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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