Margarethe von Tyrol

Margarethe von Tyrol, mit dem Beinamen Maultasche, den sie keineswegs, wie Viele glauben, wegen eines übermäßig großen Mundes, sondern von dem Schlosse Maultasche in Tyrol erhielt, war die Tochter des Herzogs Heinrich von Kärnthen, Grafen von Tyrol, und der Herzogin Adelheid von Braunschweig. Als reiche Erbin von Johann, Bruder Kaiser Karl's IV., zur Gemahlin begehrt, verheirathete sie sich 1329 nach dem Willen ihres Vaters mit diesem Fürsten, dessen sanfte, fast furchtsame Gemüthsart wenig zu ihrem lebhaften, feurigen Temperamente paßte. Häusliche Zwistigkeiten störten sehr bald dieses Bündniß, und um das Mittel nicht verlegen, faßte Margarethe den Entschluß, sich ihres Gemahls möglichst schnell zu entledigen. Auf ihr Gebot ward Johann eines Tages bei der Rückkehr von der Jagd in keines ihrer Schlösser eingelassen und dadurch eine vorläufige Trennung bedingt. Während dessen hatte Oestreich nach ihres Vaters Tode Ansprüche auf Kärnthen geltend gemacht und wollte ihr nur die Grafschaft Tyrol zugestehen, doch die kühne Frau stellte diesen Forderungen kräftige Maßregeln entgegen und bekriegte den Nachbarstaat mit eben so glücklichem Erfolge, als ihren verstoßenen Ehegemahl, von dem endlich ein Bischof sie förmlich schied. Im Jahre 1342 schloß Margarethe eine zweite Ehe mit Ludwig dem Aeltern, dem Sohne Kaiser Ludwig's des Baiern, doch scheint es auch diesem Bunde an Uebereinstimmung der Gemüther gefehlt zu haben, da man ihr Schuld gibt, sowohl Ludwig (er starb 1361) als zwei Jahre darauf ihren Sohn Meinhard IV. vergiftet zu haben. Dieser schreckliche Verdacht ist inzwischen nie authentisch erwiesen worden, vielmehr zeigte sie den tiefsten Schmerz über den Verlust ihrer nächsten Angehörigen, verlor alle Luft an der Regierung und trat später sogar die Grafschaft Tyrol ihren Vettern, den Erzherzogen von Oestreich, gänzlich ab und dieß schöne Gebirgsland bildet seitdem eines der glänzendsten Juwele in der Krone der habsburgschen Kaiser. Sie selbst verlebte zu Wien, wo die berühmte Ambraser-Sammlung ihr Bildniß aufbewahrt, ihre übrigen Lebenstage und bewies durch wohlthätiges Walten in stiller Zurückgezogenheit, daß alles Schlimme, was die Geschichte von ihr erzählt, wohl nur als eine Folge des männlich entschlossenen Wesens, welches sie in ihrer Jugend über die Grenzen des weiblichen Handelns hinaustrieb, angesehen werden darf. Ihr Tod erfolgte im Jahre 1366.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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