Maria da Gloria, Königin von Portugal

Maria da Gloria, Königin von Portugal, Johanna Charlotte Leopoldine, Königin von Portugal, diese in der neuesten Geschichte so oft genannte Fürstin wurde den 4. April 1819 zu Rio Janeiro geb., verlor 7 Jahr alt bereits ihre Mutter, eine Erzherzogin von Oestreich, und war von ihrem Vater, Don Pedro, Kaiser von Brasilien, bestimmt, den durch den Tod Johann's VI. erledigten Thron von Portugal zu besteigen, indem er seine Rechte an denselben ihr abtrat, und sie mit seinem Bruder Don Miguel verlobte. Als inzwischen Don Miguel in Lissabon angekommen, seinen Eid brach, die Herrschaft des Reichs usurpirte und die Verlobung mit Maria nicht beachten wollte, begann jener Bruderkrieg, der mit der Vertreibung Don Miguel's endete. Inzwischen sendete Don Pedro Maria 1828 zu Vollendung ihrer Erziehung nach Europa. Sie landete den 14. September an Englands Küsten, ward mit königl. Ehren empfangen und von den dorthin geflüchteten Anhängern ihrer Sache mit Jubel aufgenommen. Schon damals erwarb sich Maria da Gloria überall, wo sie erschien, den Beifall und das Wohlwollen derer, die sie kennen lernten. Ein klarer natürlicher Verstand, eine einnehmende Freundlichkeit, Und ein seiner Tact erhob die Würde und Anmuth ihres Betragens weit über ihre, der Kindheit noch angehörenden Jahre. Ihre treffenden Antworten, in welchen sich kindliche Naivetät mit ernster Besonnenheit und scharfem Beobachtungssinn abwechselnd aussprachen, deuteten auf eine Gewandtheit und Tiefe des Geistes, die zu großen Erwartungen zu berechtigen schien. Don Pedro hatte Unterdessen den Entschluß zu einer zweiten Vermählung gefaßt, und seine Wahl fiel auf die Prinzessin Amalia von Leuchtenberg. Ein trefflicheres Vorbild konnte Donna Maria nicht in Europa finden, als die neue Stiefmutter. Er befahl ihr daher, sich mit seiner Braut einzuschiffen, und wieder nach Brasilien zu kommen, wo sie den 30. Aug. 1829 anlangte. Dort empfing Don Pedro die Tochter als Königin und gab ihr einen eigenen Hofstaat. Von da an genoß sie 1 ½ Jahre die Ruhe eines durch die Anmuth und Güte ihrer Stiefmutter geschmückten Familienlebens, bis in Rio Janeiro jene Empörung ausbrach, welche Don Pedro nöthigte, zu Gunsten seines Sohnes die Regierung nieder zu legen und Brasilien zu verlassen. Er schiffte sich mit seiner Gemahlin und Marien nach Frankreich ein und eilte nach Paris, wo Letztere zurückblieb, als Don Pedro 1832 das Schwert ergriff, um ihre Rechte auf den Thron von Portugal zu erkämpfen. Seine Gemahlin sollte unterdessen die Erziehung der bereits zur Jungfrau erblühten Tochter vollenden; allein diese, durch Glanz und Hüldigungen schon verwöhnt, überdieß die Zerstreuungen der großen Welt liebend und von einem ungewöhnlichen Eigenwillen beherrscht, gab den Ermahnungen der sorgsamen Mutter nur selten Gehör. Auch hatte die Liebe bereits Eingang zu ihrem Herzen gefunden, als sie 1829 auf der Reise nach Brasilien, den Herzog von Leuchtenberg, Bruder ihrer Stiefmutter, hatte kennen lernen. Zwar waren Jahre seitdem verflossen, doch stand sein Bild fest in ihrer Seele, und verschiedene glänzende Anträge, die ihr gemacht wurden, lehnte sie mit Bestimmtheit ab. Während dessen hatte Don Pedro Lissabon befreit, und Maria hielt am 23. September 1833 dort ihren feierlichen Einzug; am 20. Septbr. 1834 sprach sie ihr Vater mündig, und schon 4 Tage darnach starb er, viel zu früh für die Jugend und Unerfahrenheit einer Königin, die den Zepter noch als ein leichtes Spielwerk betrachtete und dessen Schwere nicht zu ahnen schien. Don Pedro hatte ihr seine Einwilligung zur Vermählung mit dem Herzoge von Leuchtenberg hinterlassen, und nur wenige Wochen gönnte sie der Trauer um einen Vater, der ihr den Thron mit den größten Aufopferungen erst erkämpft, und feierte bereits am 26. Januar 1835 ihre Vermählung. Allein schon 2 Monate darauf löste der Tod eine Verbindung, die Maria so sehnlich gewünscht hatte. Der junge Herzog starb den 28. März 1835 plötzlich an einer Halsentzündung. Nur kurze Zeit hatte die Königin den Witwenschleier getragen, als sie, den Wünschen des Landes nachgebend, eine neue Wahl traf. Diese fiel auf den Prinzen Ferdinand Aug. Franz Anton von Sachsen-Koburg, und im April 1836 empfing Lissabon seinen neuen König.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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