Maria Luise Leopoldine Karoline, ehemalige Kaiserin der Franzosen

Maria Luise Leopoldine Karoline, ehemalige Kaiserin der Franzosen, Tochter Kaisers Franz II. und der Prinzessin Maria Therese Karoline Josephe von Neapel, Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla, und einst Kaiserin von Frankreich, wurde-, den 12. December 1791. geb. Ihr erstes Aufblühen fiel in die Zeit der wunderähnlichen Fortschritte, welche Napoleon auf der Bahn kriegerischen Ruhms und fürstlichen Glanzes machte. Ihre jugendliche Phantasie wurde davon ergriffen und ihr Herz folgte ihm mit Theilnahme auf den leuchtenden Standpunkt, von welchem er Könige ernannte und entthronte, und in kühnem Uebermuthe die Welt beherrschte. So fand er, als seine Siege ihn nach Wien und in die kaiserlichen Lustschlösser führten, in den Räumen, welche Maria Luise bewohnt hatte, überall Spuren, daß sie sich für ihn interessirte und ihn hoch stellte in ihrer Meinung., denn sein Bild trat dort in jeglicher Gestalt, wie es nur immer im Bereich der Künste erschienen war, ihm entgegen. Schon mochte der Gedanke, an eine Ehescheidung von Josephinen in ihm aufgedämmert sein. Sein Ehrgeiz wurde geschmeichelt durch die Vorstellung, eine Kaiserstochter aus dem uralten Hause Habsburg, auf seinen selbst gegründeten Thron zu führen, und die sichtbare Vorliebe der jungen Prinzessin für ihn, ließ ihn hoffen, daß seine Bewerbung günstig aufgenommen werden würde. Wirklich zeigte auch ihre schnelle Einwilligung »daß die stillen Träume ihres Herzens sie – wenn gleich ahnungslos – vorbereitet hatten, ihm gern und freudig ihr Schicksal anzuvertrauen. Am 11. März 1810 wurde sie durch Procuration mit Napoleon vermählt, und verließ muthig und gefaßt Vaterland, Verwandte und Freunde, um ihrer neuen Bestimmung entgegen zu gehen. Ihre Reise nach Frankreich glich einem Triumphzuge, und wohl mochte ihr junges Herz sich den stolzesten Hoffnungen erschließen, als sie die Grenzen des damals so mächtigen Frankreichs überschritt. Am 20. März 1811 gebar Maria den König von Rom, und jetzt sah Napoleon einer festbegründeten Zukunft von Macht, Ruhm und Glückseligkeit entgegen, für welche die Wiege dieses. Kindes eine sichere Bürgschaft zu sein schien Maria Luise begleitete im folgenden Jahre ihren kaiserlichen Gemahl nach Dresden, und weidete sich, als sie nach Paris zurückgekehrt war, noch eine Zeit lang an den Siegesberichten der großen Armee, an deren Spitze er stand, bis das 29. Bulletin die ersten ängstlichen Ahnungen und Besorgnisse in ihrem Innern erweckte. Doch Napoleons Erscheinung in Paris glich der Sonne, welche die Nebel zerstreut. Alle Bangigkeit war verschwunden, und neubestärkt in dem Glauben an die Unfehlbarkeit seiner Entwürfe sah sie ihn zum neuen entscheidenden Kampfe abreisen, nachdem er sie zuvor noch feierlich zur Regentin des Reichs in seiner Abwesenheit ernannt hatte. Freilich waren seine Instructionen so abgemessen und die Beschränkung ihrer Macht so genau erwogen, daß ihr wenig Freiheit blieb, sich unbefangen auf dem erhabenen Standpunkte zu bewegen, den er ihr angewiesen hatte. Sie erfüllte jedoch die Pflichten, die sie zu haben glaubte, mit großer Gewissenhaftigkeit, und zeigte eben so viel Einsicht, wie festen und redlichen Willen. Der unglückliche Ausgang des letzten Kriegs, welcher Napoleon nöthigte, die Krone niederzulegen, entschied auch ihr Geschick. Nach einer Zusammenkunft mit dem Kaiser, ihrem Vater wurde bestimmt, daß sie Napoleon nicht folgen dürfe. Sie lebte eine Zeit lang in Wien und ging dann nach Parma, welches Herzogthum ihr bei dem Friedensschluße ausgesetzt war. Ihr Sohn, der einstige König von Rom, nachmals Herzog von Reichstadt, wurde unter den Augen seines Großvaters in Wien erzogen, starb aber in der Blüthe seiner Jahre an einer langwierigen und schmerzlichen Krankheit, ohne daß seiner Mutter, die – von der Gefahr benachrichtigt – sich sogleich beeilte, zu ihm zu reisen, um ihn zu pflegen, der Trost zu Theil wurde, ihn noch lebend anzutreffen. In ihre Staaten zurück gekehrt, führt sie seitdem, noch mehr als früher, ein den Geschäften und der Wohlthätigkeit gewidmetes Leben.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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