Mauren

Mauren. Dieß Volk, das einst eine welthistorische Rolle spielte, unter dessen Herrschaft Spanien seine Blüthenzeit lebte, das in Kunst, Wissenschaft und Toleranz alle Völker jener Periode überragte, dessen ritterlicher Sinn jenen der Christenheit weckte und veredelte –: es wurde in die Grenzen der Barbarei, aus welcher es sich Licht suchend und Licht bringend empor gerungen, durch einen christlichen Vertilgungskrieg zurückgetrieben; und so bewohnen die heutigen Mauren, halbe Barbaren, den Küstenstrich Nordafrika's, sind von schwarzbrauner oder olivenartiger Farbe, haben einen schlanken, edlen Gliederbau, schöne Zähne und schwarz glänzende, feurige Augen. Ihre Religion ist ein modificirter Muhamedanismus, der viel vom Fetischismus angenommen hat. Sie leben zerstreut in Städten, Dörfern, als Nomaden, unter der Oberherrschaft afrikanischer Fürsten, oder als Söhne der Wüste, ohne Gesetz und geselligen Verband. – Der Europäer kann sie im geselligen Zustande nur in Marokko und Algier beobachten. Ihre nationelle Absonderung ist auffallend. Sie tragen Hemden, darüber einen Kaftan, den ein Ledergurt geschlossen hält, und wenn sie ausgehen, noch ein Stück weißes Zeug, welches sie als Mantel sehr geschickt und malerisch zu drapiren wissen. Ihre Bildung ist gering, doch sind sie mäßig und enthaltsam – dabei aber unreinlich. Sie beschäftigen sich meistens mit Viehzucht. – Ueber die Mauren, eine Abstammung von Berbern und Arabern, ist bei den Letzteren (s. d.) schon gesprochen worden; über das Leben der Frauen sehe man im Artikel Algier. Die Kleidung der maurischen reichen Frauen besteht meist aus einem Jäckchen ohne Aermel, gewöhnlich von Seide, reich mit Gold gestickt. Es bedeckt die Schultern und schließt sich eng an die Hüften, wo es von einer Binde zusammen gehalten wird. Buntseidene Beinkleider gehen bis an die Waden; Arme und Beine sind bei den Reichen mit großen goldenen, bei den Armen mit silbernen und kupfernen Spangen geziert. Kleine, sehr weit ausgeschnittene und mit Goldstickerei versehene Pantoffeln umschließen den Fuß oder eigentlich nur die Zehen, die oft mit Ringen versehen und wie die Hände mit einer röthlichen Farbe bemalt sind. Sehr lange goldene Ohrringe, Korallen- und Perlenschnüre sind ein sehr beliebter Schmuck. Das schwarze Haar, über der Stirn ganz kurz abgeschnitten, hängt hinten künstlich geflochten und von einem seidenen Tuche gehalten, auf die Schultern herab. Augenbraunen und Wimpern sind dunkel gefärbt und Erstere zwar so, daß sie über der Nase in einem Bogen zusammenlaufen, wo dann oft eine gemalte Blume als Zierde angebracht ist. Kleine, runde Schönheitsflecke bedecken den übrigen Theil des Gesichtes. Das Tabakrauchen gibt ihnen eine ernsthafte und gravitätische Haltung, und das mit Wasser angefüllte Gefäß, durch welches sich das elastische Pfeifenrohr windet, ist ein nothwendiges Meubel in dem Putzzimmer einer maurischen Dame. Rosen und Jasmin sind gleichfalls unerläßliche Luxusartikel. Das Weib des armen Mauren ist nicht viel mehr als Sclavin, sie kleidet sich nothdürftig in ein blaues Hemd, salbt sich mit Butter und Fett, schmückt sich aber dennoch mit Gold, Perlen und Korallen. Sie heirathen schon im 13. Jahre – jeder Mann darf 4 Weiber nehmen. – An weiblichen Schönheiten fehlt es auch im niedern Stande nicht. Bei den Mauren aber gilt die weibliche Schlankheit für unschön, sie lieben die Fülle und sie mästen daher förmlich ihre jungen Mädchen, um sie nach ihrer Ansicht zu idealisieren.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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