Melusine

Melusine

Melusine. Die Heldin eines Feengedichts, das zum weit verbreiteten Volksbuche geworden ist, und Melusinens Namen in alle Häuser und Hütten trug. Melusine und ihre zwei Schwestern, Meliora und Palentina, waren die Töchter des Königs Helmas, und wurden eines Vergehens wegen von ihrer Mutter, der Fee Persine, verwünscht. Palentina kam auf ein einsames Schloß, wo ein Drache sie bewachte, Meliorens Schicksal wurde an die Gewinnung eines Sperbers geknüpft, und Melusine hatte das traurige Schicksal, jeden Sonnabend mit dem untern Theil ihres Leibes in eine Schlange verwandelt zu werden. Sie suchte einen Zufluchtsort, fand ihn nach langer Wanderung in dem Walde von Colombiers in Poitou, und dort traf sie Raimund, Graf von Toulouse, an einer Quelle, welche in der Umgegend der Durstbrunnen genannt wurde. Bald faßte er für die Jungfrau eine so heftige Leidenschaft, daß er sie zu seiner Gemahlin erkor, nachdem er ihr eidlich angelobt, sie nie an einem Sonnabend zu sehen. Melusine baute nun ein stattliches Schloß, Lusineem (Anagramm von Melusine), das man später Lusignan nannte, nahe bei jener Quelle, gründete manchen Ort, und lange lebten die Gatten glücklich, obschon M. Mutter von vier ungestalteten Knaben ward. Endlich aber erreichte die Glücklichen das Verhängniß. Raimund, einst von Eifersucht getrieben, schlich sich an einem Sonnabend an die Thür seiner Gattin, bohrte mit seinem Schwert ein Loch in dieselbe und sah seine schöne, heißgeliebte Melusine zur Hälfte in eine Schlange verwandelt. Der Graf, obschon schmerzlich ergriffen, nahm sich dennoch vor zu schweigen; als er aber einst im Jähzorn das Geheimniß gegen Fremde verrieth, da sank Melusine in Ohnmacht und verschwand bald darauf. Graf Raimund starb als Einsiedler auf dem Montserrat, und Melusine ward später oft in Trauerkleidern und mit wehklagender Gebehrde gesehen. Sie kam bisweilen zum Brunnen und badete darin; manche wollen sie sogar halb als Weib und halb als Schlange erblickt haben. War das Absterben eines ihrem Hause verwandten Herrschers nahe, so hörte man in den Lüften einen entsetzlichen schrillenden Schrei. Noch immer lebt der Glaube an Melusine bei den Bewohnern jener Gegend und auch der Durstbrunnen quillt lebendig fort und fort.

–ch–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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