Muhammed

Muhammed

Muhammed. Großen Völkerfamilien, bei denen sich in einem gewissen Momente die gesammten physischen Kräfte mit ihren geistigen Fähigkeiten in Masse entwickelten, hat die Vorsehung häufig ein Genie an die Spitze gestellt, welches die rohen Gewalten in eine Bahn dämmte, den Geist läuterte und die unheildrohende chaotische Masse in den Strom des Nationallebens leitete. Sie waren oft Propheten und Heerführer zugleich. So hatten die Juden ihren Moses und Josua, die Völker des westl. Südasiens ihren Muhammed. Muhammed, Ebn Abdallah, geb. 569 aus einer arab. Fürstenfamilie bei Mekka, verlor frühzeitig seine Eltern, widmete sich erst den Waffen, dann dem Handel, unternahm weite Karavanenzüge, lernte auf diesen die verschiedenen Glaubenslehren kennen, eignete sich dieselben an und baute, unterstützt von einer mächtigen Phantasie, angeregt vom Ehrgeize, ein eigenes neues Religionsgebäude auf. Er heirathete seine Gebieterin, ward Emir seines Stammes und dadurch mächtig, bekam Visionen, lebte in einer Höhle, ordnete seine Lehre, gewann Anhänger und trat als Reformator auf. Abwechselnd fand er Schutz und Verfolgung; mit dem Schwerte in der Hand predigte er den Islam, seine Begeisterung, seine Visionen und mancherlei Gaukelspiele überzeugten und rissen die rohe Masse hin. Aus Mekka vertrieben, floh er nach Medina; dieß war 622 n. Ch., die Hedschra, von welcher die Muhammedaner ihre neue Zeitrechnung führen. Hier usurpirte er als Gottgesandter die Priester- und Fürstenwürde, heirathete (obgleich nach dem Tode seiner ersten Frau anderweitig vermählt) Abubekr's Tochter Aischah (s. d.), gründete so die Vielweiberei, begeisterte seine Partei in Medina wieder durch die Schilderung des glückverheißenden Paradieses, besiegte seine Feinde abermals, und wurde von da an das Meteor eines fanatisch aufgeregten Volkes. Mit 10,000 Mann überfiel er später Mekka, zwang die Ew., den Islam anzunehmen und das Götzenbild der Kaaba zu zertrümmern. Er unterwarf sich ganz Arabien, und bedrohte selbst den Kaiser Herakleus von Byzanz. – 632 wallfahrtete er mit 90,000 Gläubigen nach Mekka, starb nach seiner Rückkehr im folgenden Jahre zu Medina, und war nach und nach mit 20 Frauen vermählt. Die von ihm gestiftete Religion, Muhammedanismus, Islam, zu welcher sich noch jetzt ein großer Theil der Völker Asiens und Afrika's, so wie die Türken in Europa, bekennen, ist ein Monotheismus, gebaut auf Fatalismus. Es gibt nach diesem nur einen Gott (Allah) und einen Propheten desselben, Muhammed. Moses und Christus sind nur himmlische Abgesandte niederen Grades. Vielweiberei ist erlaubt, das Paradies gewährt den höchsten, raffinirtesten Genuß sinnlicher Begierden. Ein eisernes Fatum bestimmt über Leben und Tod. Nur der Moslim ist auserwählt, jeder anders Glaubende ein Ungläubiger. Gebete und Abwaschungen sind vorgeschrieben und dürfen ohne Nachtheil für das Seelenheil nicht verabsäumt werden. Der Genuß von Schweinefleisch und Wein ist untersagt; letzterer jedoch im Paradiese verheißen. Der Koran ist zugleich Religions- und Gesetzbuch, reines Ergebniß der Offenbarung. Er enthält neben vieler Mystik, neben manchen Glaubenssätzen der Bibel, viel Worte der Weisheit. Die Weiber erhalten wie im Leben, so auch im Jenseits einen untergeordneten Rang. Den frommen Gläubigen bedienen und ergötzen im Paradiese ewig jugendliche »Houris« (s. d.). Es geht aus alle diesem hervor, daß eine solche den Sinnen schmeichelnde, den Aberglauben befördernde, den Egoismus heiligende Religion bei einem feurigen, kräftigen, dabei noch rohen Volke ungeheuren Anhang finden und sich drohend bis zur Gestaltung einer Weltmonarchie ausbilden mußte. Aber die Zeit baute ihr einen Riesendamm und von Jahrhundert zu Jahrhundert verfällt der fantastische Babylonsthurm immer mehr und mehr in Erschlaffung und Fäulniß.

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http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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