Nachtigall

Nachtigall, der Sänger des Frühlings und der Liebe, dessen Töne aus tiefer Brust, bald klagend, bald jubelnd, langgedehnt und schmetternd, das Menschenherz ergreifen, das trunkene Ohr fesseln, die warme Frühlingsnacht verschönern und den schweigenden Hain zum Tempel des Wohlklanges zaubern. Reizend ist jene orientalische Mythe von Gül und Bülbül, d. i. von der Liebe der Nachtigall zur Rose. Alle Sehnsucht, alle Schmerzen und Wonne eines schmachtenden Herzens sind darin ausgedrückt. Der unschöne Sänger buhlt um die Liebe der prächtig-stolzen Rose. Er klagt ihr sein Leid und seine Leidenschaft in seelenvollen Weisen; die Hochmüthige weist ihn zurück; aber die Liebe ist sein Leben – sein Sangesschmerz droht Um zu tödten, schon dem Tode nahe singt er noch seine Gluth, seine unverlöschbare Treue – bis endlich die Rose erweicht und besiegt ausruft:

»O Schmerzenssänger! sei nun froh.

Sie ladet dich zu ihrem Fest;

Du hast erreicht der Wünsche Ziel.«

Diesen ganzen Liebesroman schildert der türkische Dichter Fasli mit orientalischer Gluth in seinem Gedichte »Gül und Bülbül,« wovon wir Hrn. von Hammer eine treffliche Uebersetzung (Pest 1834) verdanken. – Kein Prachtgefieder verräth diesen herrlichen Singvogel, sein Aeußeres ist unscheinbar, oben rostbraun, die Flügel graubraun, mit weißen Streifen eingefaßt, Bauch und Kehle weißlich. Nur die braunen Augen sind schön und in ihnen liegt Seele. Sie lebt in ganz Europa, Mittelasien und Nordafrika, ist ein Zugvogel, wohnt in niedrigen Laubhölzern gern und brütet auf Reißighaufen und Dornbüschen. Das Weibchen legt 4–6 grünlich braune Eier. Nur das Männchen singt, bis das Weibchen gebrütet hat, von Mitte Aprils bis Johanni. Ihre Nahrung besteht aus Insecten; man hält sie für sehr neugierig, weßhalb sie auch leicht gefangen werden. Im Zimmer gehegt schlagen sie oft schon im November, manchmal 10 Monate lang. Der Sprosser oder die große N. gleicht an Farbe und Gestalt der gemeinen, wird bis 6½ Zoll lang; seine Stimme ist stärker, schmetternder, hat längere Strophen und akkordartige Endtöne. Er hält sich besonders im südlichen Deutschland, in Böhmen, Oestreich und Ungarn, namentlich an den buschreichen Donauufern auf. Hier wird er zahlreich eingefangen und nach Norddeutschland zu hohen Preisen verkauft. Eine andere Art Nachtigall ist die amerikanische Spottdrossel, sie gleicht jedoch mehr einer Drossel und ahmt den Gesang aller andern Vögel auf's Täuschendste nach. – Der Naturforscher Bechstein hat es versucht, den Gesang der Nachtigall durch Buchstaben zu schildern; auch hat man ihn in's Notensystem gebracht.

–i–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Nachtigall — (Sylvia Luscinia), Zugvogel, gegen 7 lang, oben rostgrau, unten weißlichgrau, der beste Sänger, findet sich in ganz Europa, Mittelasien u. Nordafrika, kommt zu uns im April u. geht wieder im August. Die N. wählt besonders Laubholz zu ihrem… …   Herders Conversations-Lexikon

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  • Nachtigall — Nachtijall, ick hör dir trapsen (trampsen, loofen); ich merke, was los ist, Ich ›rieche den Braten‹, ⇨ riechen; die berlinische Redensart ist zuerst 1878 in Hans Meyers ›Richtigem Berliner‹ gebucht und wird auch heute umgangssprachlich allgemein… …   Das Wörterbuch der Idiome

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