Nepomuk, Johann von

Nepomuk, Johann von

Nepomuk, Johann von, Johann von, der oberste Schutzheilige Böhmens, wurde 1336 geb., war Domherr der Metropolitankirche in Prag, königl. Almosenier und Beichtvater der schönen und tugendhaften Königin Johanna, welche ein grausames Geschick an die Hand des wilden, sittenlosen Böhmenkönigs Wenzel gefesselt hatte. Johannes war der gewaltigste Redner seiner Zeit, ausgezeichnet durch Charakterstärke und frommen Lebenswandel. Der König haßte den Mann Gottes, weil er – seinem Willen entgegen – das Herz der Königin vom Irdischen abzog. In trunkener Laune fiel es dem Tyrannen einmal ein, den Inhalt der Beichte der Königin von Johannes, ihrem Beichtvater, erforschen zu wollen. N. widersetzte sich diesem Ansinnen, als seinem Priestereide zuwider laufend. Ergrimmt darüber ließ ihn der Wütherich in's Gefängniß werfen, foltern, und, da er immer noch schwieg, am 16. Mai 1383 von der prager Brücke in die Moldau stürzen. Johannes endigte als Märtyrer! Im J. 1729 wurde er heilig gesprochen und von dieser Zeit an ist der 16. Mai, sein Gedächtnißtag, ein Fest-, Feier- und Wallfahrtstag für ganz Böhmen. Aus allen Kreisen strömt das Landvolk nach der Hauptstadt zu dem prachtvollen silbernen Grabmahle des Märtyrers, um seine Andacht zu verrichten. Alle Kapellen, in welchen sein Bildniß prangt, sind bekränzt und Abends erleuchtet. Vor ihnen, so wie vor der bronzenen Statue des Heiligen auf der Moldaubrücke, versammelt sich betend und singend die gläubige Menge. Dazu ertönt von den Moldauinseln Musik und Geschützdonner, und Raketen erhellen die laue Frühlingsnacht. Mehr als anderswo wird man hier an Mortimers Schilderung des großen Kirchenfestes in Schiller's Maria Stuart erinnert. Die Legende vom heiligen Nepomuk verfehlt ihrer Wirkung auf das Gemüth der Frauen namentlich nicht, weil der Märtyrer, seiner Schonung der zarten Geheimnisse einer edlen Frau wegen, den grausamen Tod erlitten hat. Fast überall in der kathol. Christenheit trifft man das Standbild des Heiligen und Wunderthäters, vorzugsweise sind Brücken, zur Erinnerung an seine Todesart, damit geschmückt.

–i.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Johann von Nepomuk — St. Nepomuk, Darstellung aus dem 18. Jahrhundert Johannes Nepomuk (tschechisch: Jan Nepomucký, auch Jan z Pomuku oder Jan z Nepomuku, * um 1350 als Johannes Welflin oder Wolfflin in Pomuk bei Pilsen; † 20. März 1393 in Prag) war ein böhmischer… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Nepomuk Hubert von Schwerz — (* 11. Juni 1759 in Koblenz; † 11. Dezember 1844 in Koblenz) war ein deutscher Agrarwissenschaftler. Im Auftrag des Königs von Württemberg gründete er 1818 eine staatliche landwirtschaftliche Lehranstalt …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Fäustle — Johann Nepomuk Fäustle, ab 1872 von Fäustle (* 28. Dezember 1828 Augsburg; † 17. April 1887 in München), Dr. jur., war ein königlich bayrischer Jurist, Richter und Justizminister. Im Jahr 1872 wurde Fäustle in den bayerischen persönlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Nepomuk Berger von der Pleisse — Johann Nepomuk Berger von der Pleisse, Lithographie von Eduard Kaiser, 1849 Johann Nepomuk Berger von der Pleisse (* 1768 in Mattersberg; † 2. April 1864 in Ödenburg), war ein österreichischer Feldzeugmeister und Ritter des Maria Theresien Ordens …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Genzenstein — Johann von Jenstein (nach der Bischofsliste von Meißen: Johann II. von Jenstein; nach der Bischofsliste von Prag: Johannes VI. von Jenstein; manchmal auch: Johann von Jenzenstein; Johann von Genzenstein; tschechisch: Jan z Jenštejna; * 27.… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Lüttich — Johann hießen folgende Herrscher: Inhaltsverzeichnis 1 Johann 1.1 Johann I. 1.2 Johann II. 1.3 Johann III./IV. 1.4 Johann V./... 2 Johann …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Nepomuk Stephan von Sacher — Johann Nepomuk Stephan Ritter von Sacher (* 27. März 1759 in Königswart, Böhmen; † 22. September 1836 in Lemberg) war ein österreichischer Beamter und Gubernialrat in Lemberg. Seit 1795 übte er die Funktion des Direktors des Salzbergwerks Groß… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Bucka — Johann von Bucca (auch: Johann der Eiserne; Johann de Bucca; Johannes von Prag; nach der Bischofsliste von Leitomischl: Johannes IV. von Bucca, der Eiserne; nach der Bischofsliste von Olmütz: Johannes XII. von Bucca, der Eiserne; tschechisch Jan… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Jenstein — (nach der Bischofsliste von Meißen: Johann II. von Jenstein; nach der Bischofsliste von Prag: Johannes VI. von Jenstein; manchmal auch: Johann von Jenzenstein; Johann von Genzenstein; tschechisch: Jan z Jenštejna; * 27. Dezember zwischen 1347 und …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Bucca — (auch: Johann der Eiserne; Johann de Bucca; Johannes von Prag; nach der Bischofsliste von Leitomischl: Johannes IV. von Bucca, der Eiserne; nach der Bischofsliste von Olmütz: Johannes XII. von Bucca, der Eiserne; tschechisch Jan Železný; *… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”