Octavia, Gemahlin des Antonius

Octavia, Gemahlin des Antonius, geboren um das Jahr 691 nach Roms Erb., Tochter des C. Octavius und Gemahlin des Antonius, verdient mit Recht zu den ausgezeichnetsten Frauen des Alterthums gezählt zu werden. Sie vermählte sich in erster Ehe mit C. Claudius Marcellus. Nach dessen frühzeitig erfolgtem Tode gab ihr Bruder Augustus, um politischer Zwecke willen, dem Antonius ihre Hand, noch ehe das gesetzliche Trauerjahr zu Ende war. Die Hochzeit wurde im Jahr 713 zu Rom auf das Glänzendste gefeiert, und nach einem kurzen Aufenthalte daselbst führte Antonius seine junge Gemahlin mit sich nach Athen, wo die Erwartungen, die man von O's Tugenden und ihrem Verstande hegte, in Erfüllung zu gehen schienen. Sie übte das schöne Amt einer Friedensstifterin und Vermittlerin zwischen den beiden Herrschern des römischen Reiches, deren wachsende Eifersucht zu den heftigsten Reibungen führte, und übernahm 716 eine Gesandtschaft zu ihrem Bruder. Von Antonius begleitet, landete sie bei Tarent, und der Kraft ihres Wortes gelang es, Octavian zu einem neuen Bunde zu bewegen, der durch mannigfache Beweise des Zutrauens und der Freundschaft von beiden Seiten besiegelt wurde. Hierauf wandte sich Antonius in die Morgenländer, wohin O. ihren Gemahl begleitete und erst später nach Rom zurückkehrte. Aber mit ihr schien sein guter Genius von ihm zu weichen. Antonius alte Liebe zu der eben so reizenden, als verführerischen Cleopatra, erwachte mit neuer Leidenschaft, und stellte das Bild des edlen, reinen Weibes in den Hintergrund. Als O. von der Gefahr, die ihrem Gatten in den Schlingen der buhlerischen Königin drohte, gehört hatte, entschloß sie sich ihn aufzusuchen, und erhielt hierzu um so leichter die Erlaubniß ihres Bruders, da er durch sie zugleich eigennützige Zwecke erreichen zu können hoffte. Mit reichen Geschenken und Truppen ausgestattet, begab sie sich auf den Weg nach Griechenland, von wo das Gerücht ihrer nahen Ankunft Cleopatra in Angst und Schrecken setzte. O's Reize und überlegene Tugenden fürchtend, beschwor diese ihren Geliebten, seiner Gemahlin den Zutritt zu versagen, und wirklich gelang es ihren Künsten, daß jener der Befehl ertheilt wurde, in Athen, wo sie bereits angekommen war, zu bleiben. Alle Bemühungen O's, ihren Gatten, der sich mit Cleopatra nach Alexandrien begeben hatte, zu sprechen, blieben vergeblich, und sie mußte sich entschließen, nach Rom zurückzukehren. Entrüstet über diese öffentliche Beschimpfung, gebot Octavia seiner Schwester, des Antonius Haus zu verlassen; allein so schwer sie sich auch gekränkt fühlen mußte, jede Rache war ihrem edlen Herzen fremd, und nur Friede und Eintracht das Ziel, nach dem sie strebte. Sie unterstützte die Freunde ihres Gemahles und widmete sich mit hingebender Mutterliebe der Erziehung ihrer Kinder. Ein solches würdiges Betragen gewann ihr die Herzen aller Römer, denen es unbegreiflich schien, wie Cleopatra ihr vorgezogen werden konnte. Dennoch ging Antonius in seiner blinden Leidenschaftlichkeit so weit, O. aus seinem Hause zu verstoßen. Tief ergriffen, daß sie die Ursache der Zwietracht zwischen ihrem Gemahle und ihrem Bruder werden sollte, verließ sie dasselbe mit ihren Kindern. Es kam zum heftigen Kampfe zwischen den politischen Parteien; die Seeschlacht bei Actium wurde geschlagen, welche Antonius die Herrschaft entriß, deren Verlust er nicht lange überlebte, indem er sich mit eigner Hand den Tod gab. Als auch Cleopatra gestorben war, nahm O. sich ihrer verwaisten Tochter an und vermählte dieselbe mit Juba, König von Mauritanien. Vor ihrem Tode, der 744 erfolgte, hatte sie noch den Schmerz, ihren Sohn M. Marcellus, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, in das Grab sinken zu sehen; sie hinterließ aber vier Töchter. Octavian, der die Schwester innig liebte, setzte ihr Bildsäulen und ehrte in Allem das Andenken der Entschlafenen.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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