Ohnmacht

Ohnmacht, diese namentlich dem weiblichen Geschlechte eigene Krankheit, besteht in einer Abspannung aller sensiblen Funktionen, in einem Schwinden unseres Bewußtseins, kommt am häufigsten bei nervenschwachen und reizbaren Personen vor und findet ihre Veranlassung bei übergroßen Anstrengungen, z. B. Niederkunften, bei Blutverlusten, bei Manchen durch ungewohnte, heftige Körperbewegungen, beim Anblick von Jammerscenen, anekelnden Gegenständen, geruchwidriger Speisen oder Getränke, durch Schreck etc. Der Ohnmacht geht sehr oft voran Brustbeklemmung, Magendrücken, beschwertes Athmen, Ohrenklingen, wüster Kopf mit und ohne Schwindel, Flimmern vor den Augen, Erblassen des Gesichts, Erkalten der Glieder etc. Bei dem Ohnmächtigen ist der Puls kaum fühlbar, es bricht ein kalter Schweiß im Gesicht und am Halse aus, alle Empfindung und Beweglichkeit der Glieder hört auf. Ist der Anfall vorüber, so erwacht der Kranke in der Regel mit einem tiefen Seufzer, das Herz schlagt wieder kräftig und regelmäßig, die Haut erwärmt sich, die Augen bekommen neuen Glanz, man empfindet ein gewisses Wohlbehagen, fühlt sich aber auf längere oder kürzere Zeit abgespannt und träge. Wenn die Ohnmacht an und für sich auch nicht gefährlich ist, so läßt die zu ofte Wiederholung doch schädliche Folgen nach sich. Man hat Fälle, daß sie erblich ist. Die wesentlichsten Belebungsmittel sind: frische, reine Luft, Besprengen des Gesichts und der Brust mit kaltem Wasser, allmälige Befreiung von eng anliegenden Kleidungsstücken, Reiben der Stirne, Schläfe und Hände mit starkem Weinessig, starke Wohlgerüche, wohl auch glimmenden Feuerschwamm, verbrannte Federn, Einflößen von etwas köln. Wasser etc.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ohnmacht — Ohnmacht …   Deutsch Wörterbuch

  • Ohnmacht — bezeichnet: psychische Macht oder Hilflosigkeit in einer Situation, siehe Ohnmacht (Psychologie) eine kurz anhaltende Bewusstseinsstörung, die durch einen vorübergehenden Sauerstoffmangel im Gehirn verursacht wird und in der Regel für den… …   Deutsch Wikipedia

  • Ohnmacht — (Deliquium animi, Lipothymia, Syncope), Unterbrechung mehrer Lebensäußerungen, namentlich der Fähigkeit zu willkürlicher Muskelthätigkeit, nebst vollständigem od. unvollständigerem Verschwinden des Bewußtseins. Der niederste Grad der O. ist das… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ohnmacht — (Syncope), eine krankhafte Unterbrechung der Gehirntätigkeit, also des Bewußtseins, der Sinne, der Empfindungsfähigkeit und der willkürlichen Muskelbewegung. Der schwächste Grad ist die Ohnmachtneigung, Schwächeanwandlung, ein Vergehen der Sinne… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ohnmacht — Ohnmacht, Schwinden des Bewußtseins, des Empfindungs und Bewegungsvermögens auf kurze Zeit (einige Minuten bis eine halbe Stunde), wobei Herzschlag und Atmung schwach und unregelmäßig sind. Ursachen: plötzliche Blutarmut oder Blutüberfüllung des… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ohnmacht — (deliquium animi, lipothymia, syncope), eine plötzliche Unterbrechung mehrer Lebensäußerungen, besonders der willkürlichen Bewegung u. der Empfindung, mit mehr od. weniger vollständiger Bewußtlosigkeit. In den höheren Graden besteht völlige… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Ohnmacht — ↑Exanimation …   Das große Fremdwörterbuch

  • Ohnmacht — Sf std. (9. Jh., Form 13. Jh.), mhd. āmaht, ahd. āmaht( īg), unmaht Stammwort. Gebildet aus Macht und dem Präfix ā , das hier wie in Ameise fort, weg bedeutet (etwas anders Öhmd). Ausgangsbedeutung also etwa Machtlosigkeit, Kraftlosigkeit . Nach… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Ohnmacht — Seine eigene Ohnmacht fühlen: sich hilflos ausgeliefert sehen, nicht rettend eingreifen können, eine höhere Macht spüren, auch: dem Schicksal nicht entgehen können. Ähnlich: Ohnmächtig zusehen müssen, z.B. bei Unfällen, tödlich verlaufenden… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Ohnmacht — Bewusstlosigkeit; Besinnungslosigkeit; Ohnmächtigkeit * * * Ohn|macht [ o:nmaxt], die; , en: 1. vorübergehende Bewusstlosigkeit: eine tiefe, schwere Ohnmacht; in Ohnmacht fallen, sinken; aus der Ohnmacht erwachen; eine plötzliche Ohnmacht befiel …   Universal-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”