Pisa

Pisa, eine der ältesten und schönsten Städte des Großherzogthums Toskana, wie so viele ihrer italienischen Schwestern, ein Bild der Vergänglichkeit irdischer Größe, ein prachtvolles Denkmal auf dem Grabe seiner Heldenbürger. Am Arno gelegen, wo es lange vor Rom, drei Jahrhunderte vor Troja's Zerstörung die Ligurer gegründet haben sollen, kam es im Jahre 300 vor Chr. unter die Herrschaft der Römer, machte sich beim Verfall des römischen Reiches frei, nahm republikanische Verfassung an, ward das Asyl reicher Flüchtlinge zur Zeit der Einfälle der Barbaren, hatte einen blühenden Handel, eine bedeutende Seemacht, und seine Bürger waren tapfere Streiter, die ganz Italien bedrohten, die Saracenen vom Festlande und von den Inseln vertrieben, und die Kreuzzüge besonders unterstützten. Damals überstrahlte P. Venedig und Genua, aber die kleinern Fehden, dann die große der Guelfen und Gibellinen untergruben seine Kraft. Später fiel es an Florenz, und einst von 180,000 Menschen bewohnt, zahlt es jetzt nur noch 20,000. Dennoch aber gehört die blendend weiße Stadt mit ihrem majestätischen Dome, dem berühmten schiefen Thurme, ihrer schönen Lage im Schoße des breiten Arnothales, umgeben von Orangenhainen, zu den schönsten Städten, und es umschweben uns in der feierlichen Stille die großen Geister eines Cimabue, Giotto, Michel Angelo, Galilei, Dante, Boccaccio und Petrarca. Herrliche Gärten, schöne Kais, die Marmorbrücken, palastähnliche Häuser, die ganz aus cararischem Marmor bestehende und mit Marmor gepflasterte, schöne Straße, Lungharuo, sind Zeugen der ehemaligen Pracht. Doch wächst Gras in vielen Straßen und die Häuser sind verfallen. Der Dom ist im 11. Jahrhundert von griechischen Baumeistern in Kreuzform gebaut, und hat 5 Schiffe, die von 38 Porphyrsäulen getragen werden. Malerei und Sculptur haben dieß Gotteshaus zu einem Tempel der Kunst gebildet. Der schiefe Glockenthurm, von 150 F. Höhe, ist von Wilhelm von Innsbruck erbaut. Das Baptisterium ist im 12. Jahrhundert im schönsten byzantinisch-gothischen Style aufgeführt. Eine besondere Merkwürdigkeit, ein Stolz der Pisaner, ist ihr Campo santo, ein längliches Viereck, eine Art Kreuzgang mit Grüften, und einem freien Platze, dessen Erde der kriegerische Erzbischof Lanfranks als Ballast in 200 Schiffen aus dem heiligen Lande sendete, und wo Reiche mit großen Geldkosten sich ein Ruheplätzchen kauften, um in der heiligen Erde zu modern. Die Monumente des freien Platzes sind verschwunden, in den Hallen befinden sich Denkmale, merkwürdige Sculpturen und Malereien der Meister, die mitten unter ihren Werken ruhen.

D.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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