Plater, Emilie, Gräfin von

Plater, Emilie, Gräfin von, Emilie, Gräfin von. Der letzte blutige Kampf Polens gegen die Herrschaft Rußlands, so fruchtbar an Beispielen der edelsten Vaterlandsliebe, fand auch in den Herzen vieler Frauen dieses unglücklichen Landes die lebhafteste Theilnahme. In keinem Lande, Frankreich ausgenommen, ist der Einfluß der Frauen auf das politische Leben der Männer so vorherrschend, als in Polen; als daher im November 1830 Warschau die Fahne des Aufstandes erhob, sah man auch mehrere Frauen, die, ihr Geschlecht vergessend, persönlich an dem blutigen Drama Theil nahmen. Zu diesen gehörte Emilie P., geb. am 13. Novemb. 1806 zu Wilna, auferzogen zu Lixna, einem Gute in Polnisch-Liefland, als zartes Mädchen schon die Spiele und Beschäftigungen ihres Geschlechts verschmähend, sich vorzugsweise mit dem Studium der Geschichte abgebend und eine Johanna d'Arc zu ihrem Ideale wählend, ihren Körper abhärtend durch Reiten, Schießen und weite Ausflüge in die Wälder, bei Schnee und Sonnenhitze, der Liebe zum Vaterlande jede andere Neigung unterordnend; so fand Emilien das Jahr 1830. Einen russischen General, der um ihre Hand warb, wies sie mit den Worten zurück: »ich bin eine Polin.« Bald darauf starb ihre Mutter, an der sie mit unendlicher Liebe gehangen, und kaum war dieselbe beerdigt, so erreichte sie die Nachricht von dem Aufstande in Warschau. Da schien ihr die Zeit gekommen, wo sich die Träume ihrer Jugend verwirklichen sollten. Bereits früher hatte Emilie im Stillen Verbindungen angeknüpft, und obschon sie wenig Anklang fand, auch von Warschau aus, wie sie gehofft, keine Unterstützung kam, so verzweifelte sie dennoch nicht, sondern entschloß sich vielmehr selbstständig zu handeln. Ihre Absicht war die Festung Dünaburg zu überrumpeln, wo sie mit mehreren jungen Polen im Einverständnisse stand. Sie versammelte zu diesem Endzwecke eine Schar von Insurgenten, stellte sich als Mann gekleidet und bewaffnet an deren Spitze und schlug die große Straße nach diesem Platze ein. Mehrere kleine russ. Abtheilungen, die sich ihr entgegenstellten, wurden geworfen, aber da sich die Zahl derselben immer mehrte, ihr auch endlich die Munition ausging und man in der Festung von dem Unternehmen unterrichtet war, mußte Emilie ihren Plan aufgeben, überließ die Reste ihrer kleinen Schar ihrem Vetter, dem Grafen Cäsar Plater, und begab sich zu den Insurgenten im Distrikt Upita unter Zaluski. Am 4. Mai 1831 dort anlangend, fand sie eine enthusiastische Aufnahme, aber auch zugleich Gelegenheit, ihren Muth zu erproben. Das Lager ward von einer russ. Abtheilung angegriffen. Zwei Bajonetangriffe wurden zurückgeschlagen, Emilie befand sich in der vordersten Schlachtlinie, entflammte die Soldaten durch ihr Beispiel, mußte aber endlich der Uebermacht weichen und sah sich auf dem Rückzuge verlassen. Nach einem beschwerlichen Marsche erreichte sie Abends die Hütte eines Waldschützen, brachte dort die Nacht zu, und stieß erst am folgenden Tage an den Ufern der Dubissa zu Zaluski. Bald darnach wurden die Insurgenten von dem General Chlapowski besser organisirt, Emilie ward zum Hauptmann im ersten litthauischen Regiment ernannt und mit diesem nach Kowno beordert. Nach der Schlacht von Wilna griffen die Russen diesen Platz an. Emilie focht auf dem rechten Flügel der Polen, leistete mit ihrer Compagnie den hartnäckigsten Widerstand, schlug sich mit derselben mitten durch die Kosaken, und erreichte die Trümmer ihres Regimentes bei Rosienie. Bald darauf der Bagage der Armee als Bedeckung beigegeben, fiel diese Abtheilung bei Schawlany in einen Hinterhalt, und der Bericht des General Gielgud über dieses blutige Gefecht erwähnte namentlich den Hauptmann Emilie Plater unter den Tapfern. Dieß war der letzte Kampf der heldenmüthigen Jungfrau. Als sie erfuhr, daß Chlapowski die Heerabtheilung, bei welcher sie stand, nicht nach Polen, sondern über die preußische Grenze führen wollte, verließ sie mit ihrem Vetter, Cäsar Plater, die Armee, um nach Warschau zu gehen. Zehn Tage hatte sie die fürchterlichsten Strapazen ertragen, weiter aber langten ihre Kräfte nicht; ein hitziges Fieber nöthigte sie in der Hütte eines Waldschützen Zuflucht zu suchen. Hier wollte Emilie sterben und veranlaßte ihren Vetter weiter zu reisen. Allein dieser entdeckte sich dem Eigenthümer des Dorfes, Emilie ward in dessen Wohnung gebracht, auf das Sorgfältigste gepflegt, und endlich wieder hergestellt. Aber kaum genesen, erfuhr sie den Fall von Warschau. Diese Nachricht gab ihr den Tod. Der Zweck ihres Lebens war verfehlt. Sie empfing die Tröstungen der Religion, ließ sich ihre Waffen an's Bett bringen, und hauchte am 23. December 1831 ihren letzten Seufzer aus.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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