Preussen (Geschichte)

Preussen (Geschichte). Diese fünfte Großmacht Europa's schlug ihre ersten Wurzeln in dem kleinen unfruchtbaren Landstriche an der Havel, Spree und Oder (der Altmark), welchen Kaiser Heinrich I. den Sorben, Hevellern und anderen slavischen Stämmen in der ersten Hälfte des 10. Jahrh. entriß. Ein Graf Bernhard wird 936 als erster Markgraf unter sächs. Hoheit genannt. Unter ihm und seinen Nachkommen brach sich das Christenthum Bahn, deutsche Kolonisten kamen ins Land und die einheimischen Fürsten wurden immer weiter zurückgedrängt. Nach dem Erlöschen des ersten Fürstengeschlechts belehnte Kaiser Lothar II. 1134 Albrecht den Bär, Grafen von Askanien, mit der Altmark, und dieser eroberte die Mittelmark, Priegnitz und Uckermark. Unter ihm entstand Berlin (Brandenburg, damals Brannibor, war schon von den Slaven erbaut), überhaupt that er viel für das Aufblühen seiner Besitzungen und nannte sich zuerst Markgraf von Brandenburg, wie denn auch sein Sohn Otto I. als der erste Erzkämmerer des heil. römischen Reichs, und somit als erster Kurfürst von Br. erscheint. Zu früh für den kräftig emporstrebenden Staat, traten die Askanier ab; ihr letzter Sprosse, Markgraf Heinrich, starb 1320. Nun folgte eine fast hundertjährige Periode des Unglücks, in welcher innere und äußere Kriege, mehr aber der öftere Wechsel der Regenten, ihre häufige Abwesenheit etc. eine vollständige Gesetzlosigkeit in Brandenburg herbeiführten und den Wohlstand seiner Bewohner auf lange Zeit vernichteten. Kaiser Ludwig IV. (der Baier) gab das Kurfürstenthum (1322) seinem ältesten Sohne Ludwig, welcher inzwischen mit einem Betrüger, Müller Rehbock, der sich für den 1319 verstorbenen Markgrafen Waldemar ausgab und von allen andern benachbarten Fürsten anerkannt wurde, harte Kämpfe zu bestehen hatte. L's zweiter Bruder Otto verkaufte Brandenburg 1373 an Kaiser Karl IV.; die unheilvolle Regierung der Wittelsbacher hatte demnach nur 51 Jahre gedauert und jetzt herrschten die Luxemburger 42 Jahre meist durch Statthalter mit eben so geringem Geschick. Kaiser Siegmund, der letzte dieser Familie, war dem Burggrafen von Nürnberg, Friedrich VI., aus dem Hause Hohenzollern, bedeutende Summen schuldig, und trat ihm dafür 1415 Brandenburg ab. Diesen noch jetzt herrschenden Hohenzollern hat der Staat seine weltgeschichtliche Berühmtheit, seine heutige imposante Stellung zu verdanken. Schon unter Friedrich's I. 29 jähriger Regierung kehrte die Ordnung und innere Sicherheit zurück, auch wurden von ihm und seinem Sohne Friedrich II. alle nach dem Aussterben der Askanier abgerissenen Landestheile wieder erworben. Unter Joachim II. verbreitete sich 1539 die Reformation und seitdem steht das Regentenhaus an der Spitze des protest. Deutschlands. Kurfürst Johann Siegmund erbte 1618 Preußen (das Land zwischen der Weichsel, dem Memel und der Ostsee, welches die deutschen Ritter von 1237 bis 1525 unter Hochmeistern besaßen, deren letzter, Albrecht von Brandenburg, 1525 die Reformation einführte und sich zum erblichen Herzog von Preußen, unter polnischer Lehnshoheit, erklärte) und von den jülichschen Ländern das Herzogthum Cleve und die Grafschaften Mark und Ravensberg. Der 30 jährige Krieg forderte zwar manches Opfer: trug aber auch mächtig zur Vergrößerung des Staates bei, den durch den westph. Frieden (1648) gewann er Hinterpommern, di Bisthümer Minden, Kamin, Halberstadt, Magdeburg und di Grafschaft Hohenstein. Die Regierung des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (s. d.) brachte Triumphe gegen die äußern Feinde gab den innern Kräften Gelegenheit zur Entwickelung, und ist überhaupt als die Grundlage der mächtigen Monarchie zu betrachten Sein Sohn, Friedrich III., als König Fr. I., setzte sich am 18 Januar 1701 zu Königsberg die Königskrone auf's Haupt, und erwarb Elbing, Neufchatel, Mörs, Lingen und Tecklenburg. Auch dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm I. wußte die neue Würde in Ansehen zu setzen; Stettin nebst Vorpommern bis an die Peene, Geldern etc. vergrößerten unter ihm das Königreich. Unter Friedrich II., mit Recht der Große genannt, erhob sich Preußen zur europ. Macht. Ihm und seiner glänzenden Regierung ist ein besonderer Art. gewidmet. Die franz. Revolution und ihr Erbe trafen auch Preußen hart; Friedrich Wilhelm III. und die angebetete Königin Luise (s. d.) mußten 1807 die halbe Monarchie dem Welteroberer opfern. Als aber der Riese 1812 in Rußlands Eisfeldern den Kern seiner Krieger verloren und nun die Möglichkeit von Deutschlands Befreiung eintrat, da rief der König sein Volk zu den Waffen und zerbrach die franz. Ketten. Jene Heldenzeit hat den preuß. Namen mit neuem herrlichem Glanze umgeben, der Wiener Congreß bestimmte die heutigen Grenzen und seitdem wirkt Friedrich Wilhelm III. mit unermüdlicher Thätigkeit für seines Volkes Wohl.

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http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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