Ramler, Karl Wilhelm

Ramler, Karl Wilhelm, Karl Wilh., mehr als Uebersetzer und Kritiker zu nennen, wie als Dichter. Was Fleiß und tüchtige Gesinnung zu leisten vermögen, ohne tieferen, inneren Schöpferdrang, hat R. als Lyriker zu Stande gebracht. Begeistert für seinen großen König (Ramler war geb. zu Kolberg 1725, und lebte in Berlin Anfangs als Professor, später als Mitdirector des dortigen Nationaltheaters), suchte er dessen Ruhm zu verherrlichen. Dieß erwarb ihm unter seinen Zeitgenossen den Namen des deutschen Horaz, dem er freilich weder an Tiefe des Gedankens, noch an Kraft des Ausdrucks gleich kam. Correctheit, Ruhe, Behaglichkeit waren die Stichwörter der damaligen Poeten; man zählte die Sylben, unbekümmert um ihre wahrhafte Kürze oder Lange, und klappte nur der Reim, so ward das Gedicht als klassisch vom Stapel gelassen. Ungeachtet dieser Pedanterie hat sich der ehrenwerthe Mann durch sein Bemühen correct zu schreiben, ein bleibendes Verdienst um die Ausbildung der deutschen Sprache erworben. Sein Leben war dem Sammeln, Sichten, Feilen geweiht. Darum schnitzelte er auch die Gedichte Anderer zurecht, um sie in seine »lyrische Blumenlese« aufzunehmen. Unter seinen eigenen Gedichten zeichnen sich nächst den Oden die Cantaten aus, von denen »der Tod Jesu« durch die Composition Graun's Berühmtheit erlangt hat. Ein Verdienst erwarb er sich um die Wiedererweckung vergessener deutscher Dichter, namentlich Logau's, zugleich mit Lessing, wie ihn denn seine brave Gesinnung und unverwüstliche Deutschheit mit allen trefflichen Männern seiner Zeit in enge Berührung brachte. Seine Gedichte hat Göckingk vollständig in 2 Bänden gesammelt. R. lebte seit 1796 von allen Geschäften zurückgezogen in stiller Abgeschlossenheit, und starb zu Berlin am 11. April 1798.

W.....m.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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