Arsinoe, Gemahlin des Alkmäon

Arsinoe, Gemahlin des Alkmäon, Tochter des Plegis, Gemahlin des Alkmäon, steht bloß als unglücklich, nicht als strafbar in den Annalen des Alterthums. Sie lebte mit ihrem Gatten in einer sehr einigen und zärtlichen Verbindung. Alkmäon's Vater aber, war als ein Opfer des Verraths seiner Gattin Eryphile gefallen, die durch ein kostbares Halsband bestochen, ihn aus einem sicheren Asyl in die ihm drohenden Gefahren verlockt hatte, in welchen er den Tod fand. Er ahnete die Netze, die ihn heuchlerisch umstrickten, war aber zu schwach, sie zu zerreißen, und befahl seinem Sohne, wenn er fallen werde, seinen Tod an der lieblosen Gattin zu rächen. Alkmäon schauderte zurück vor dem Gedanken eines Muttermords; doch die Ehrfurcht für die Befehle des hingeopferten Vaters vereinte sich mächtig in ihm mit dem Schmerz über seinen Verlust, und als er die Orakel befragt, und ihre dunklen Beschlüsse beifällig gefunden hatte, entschloß er sich zur That, und Eryphile fiel. Kaum aber war es geschehn, als die Furien ihn verfolgten, und Tag und Nacht seine Ruhe störten. Er flüchtete in den Tempel, um abermals bei dem Orakel Rath zu holen. Es verkündete ihm, daß die Mutter sterbend alle Orte verflucht hatte, die sein Fuß betreten werde. Er müsse daher sein Heil in einem Lande suchen, das erst nach ihrem Tode entstanden sei. Er verließ seine geliebte Gemahlin, die um seiner Beruhigung willen, sich ohne Murren in diese Trennung fügte, und zog umher, ein eben erst entstandenes Land zu finden. Nach langem Umherschweifen traf er endlich im Flusse Achelro eine Insel an, die sich seit Kurzem dort gebildet hatte, und als er sie betrat, kehrte der innere Friede in ihn zurück, allein er fand noch mehr als er gesucht. Eine schöne Jungfrau, Callirhoe, die für die Tochter des Flußgottes galt, weilte auf diesem Eiland, und bestrickte ihn durch ihre Reize so sehr, daß er die treue Arsinoe vergaß, und jene zu seiner Gattin erkor. Doch kaum hatte er sie in vertrauten Mittheilungen mit seinem Schicksale bekannt gemacht, als ein unwiderstehliches Verlangen in ihr entstand, das verhängnißvolle Halsband zu besitzen, das Eryphile verleitet hatte, ihren Gemahl verrätherisch dem Tode Preis zu geben. Sie plagte Alkmäon so lange, bis er ihr das unglückselige Kleinod versprach, welches Phlegis, Vater der Arsinoe aufbewahrte. Dieser Letztere, zuweilen an einer vorübergehenden Verworrenheit des Verstandes leidend, würde sich geweigert haben, es heraus zu geben, aber Alkmäon spiegelte ihm vor, er sei gekommen, ihm zu rathen, daß er es als Opfergabe nach Delphis schicken möge, um von diesen peinlichen Perioden des Wahnsinns befreit zu werden. Unter diesem Vorwand erhielt er das Halsband, aber sehr bald erfuhr Plegis den eigentlichen Zweck, weßhalb Alkmäon es begehrt hatte. Er schickte seine beiden Söhne, Temenus und Axion nach, die, durch die ihrer Schwester Arsinoe zugefügte Schmach ohnehin empört, ihm das Halsband wieder entrissen, und ihn tödteten. Arsinoe, welche den Treulosen noch immer liebte, konnte sich in ihrem Schmerz über das blutige Ende, das er genommen, der bittersten Vorwürfe gegen ihre Brüder nicht erwehren, die darüber so gereizt und aufgebracht wurden, daß sie sie in einen Kasten steckten, und sie nach Tegea zu dem Agapenorus brachten, wo sie die Unschuldige anklagten, daß sie es selbst sei, die ihren Gemahl ermordet habe, und deren Bestrafung sie nun von der Gerechtigkeit des Richters erwarteten.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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