Arsinoe, Gemahlin des Lysimachus

Arsinoe, Gemahlin des Lysimachus, Gemahlin des Königs Lysimachus von Macedonien. Ihr Gatte diente als Feldherr unter Alexander dem Großen. Sie gebar ihm zwei Söhne, an denen sie mit der unendlichsten Mutterliebe hing. Aber wie selbst das edelste Gefühl in seiner Ausartung sich zum Frevel hinneigt, so führte die übertriebene Sorge für diese Kinder auch Arsinoe zum Verbrechen. Sie wünschte nämlich, sie als des Lysimachus Nachfolger und Erben seiner Reiche zu sehn, deren Anwartschaft jedoch nach dem Rechte der Erstgeburt Agathokles, dem Sohne ihres Gatten aus einer früheren Ehe gehörte. Dieser Agathokles war mit ihrer Stiefschwester Lysandra vermählt, doch Alles dieses war ihrem brennenden Verlangen, ihre Söhne erhöht und bereichert zu sehn, kein Hinderniß. Sie bewog Lysimachus, den Agathokles vergiften zu lassen. Lysandra, in Verzweiflung über den Verlust ihres Gatten, floh zu dem Seleucus, und flehte ihn um Rache an. Dieser, ohnehin ein Feind des Lysimachus, gewährte ihr ein Asyl, zog gegen jenen zu Felde, tödtete ihn, und eroberte seine Länder Arsinoe wandte sich an ihren Stiefbruder Ptolemäus, der zwar in's Feld zog, und dem Seleucus die Länder des Lysimachus wieder abnahm, doch mit dem Gelüsten, sie für sich selbst zu behalten. Da ein solcher Besitz ihm jedoch nicht sicher schien, so lange Arsinoe's Söhne lebten, und sie selbst noch die feste Stadt Cassandra besaß, so nahm er, da offenbare Gewalt hier nicht ausreichte, zur List seine Zuflucht, und bot Arsinoe seine Hand an. Sie wollte Anfangs nicht an die Aufrichtigkeit seiner Gesinnung glauben. Als er aber in Gegenwart eines von ihr Abgesandten den höchsten Eid schwur, daß es seine Absicht sei, sie rechtmäßig zu heirathen, und als eine Königin zu halten; auch weder eine andere Gemahlin neben ihr zu haben, noch jemals andere Kinder, als die ihrigen für seine Kinder und Erben zu erklären, da gab sie nach und ließ sich zur Verbindung überreden. Die Hochzeit wurde mit königlicher Pracht gefeiert, und Ptolemäus setzte in zahlreicher Versammlung die Krone auf Arsinoe's Haupt. Dadurch wurde ihr Mißtrauen beschwichtigt und sie lud ihren neuen Gemahl nun freiwillig nach Cassandra ein, wohin sie voraus ging, ihn würdig zu empfangen. Ihre Söhne, Lysimachus sechszehn, und Philippus, dreizehn Jahre alt, mußten auf ihr Geheiß dem Stiefvater entgegen gehen, ihn ehrerbietig zu begrüßen. Dieser nahm sie mit den zärtlichsten Liebkosungen auf, schien sich nicht satt an den holden Knaben sehen zu können und versicherte sie auf das Allerfreundlichste seiner aufrichtigen Vaterliebe. Kaum aber war er mit seinem Gefolge in Cassandra's weitgeöffnete Thore eingezogen; als sein Ton sich änderte. Er befahl, das Schloß zu besetzen, und die Knaben umzubringen. Vergebens warf sich Arsinoe zu seinen Füßen; vergebens suchte sie mit ihrem Körper den geliebten Söhnen als Schild zu dienen. Man riß sie gewaltsam los, und Agathokles zürnender Schatten wurde auf das Gräßlichste an ihr gerächt, indem sie erleben mußte, wie man die Lieblinge ihres Herzens vor ihren Augen hinschlachtete. In Begleitung zweier Sclaven ward sie nun nach Thracien in's Elend geschickt. Als Ptolemäus späterhin im Kriege wider die Macedonier umgekommen war, raffte sie sich auf, um zu ihrem anderen Bruder Ptolemäus Philadelphos zu fliehen. Noch immer schön und anmuthsvoll, machte der Gram um die verlorenen Kinder ihre Reize nur noch rührender. Obgleich vermählt (seine Gemahlin hieß ebenfalls Arsinoe) verliebte sich Ptolemäus Philadelphos doch in sie, und diese Neigung flammte bald zu unbesiegbarer Leidenschaft empor. Die Huldigungen, die er ihr darbrachte, und der Einfluß, den sie über ihn gewann, reizten die Eifersucht seiner Gattin, die, von dieser Zurücksetzung empört, ihm nach dem Leben trachtete, was ihm eine willkommene Veranlassung war, sie zu verstoßen, und nach Ober-Aegypten in's Exil zu schicken. Jetzt vermählte er sich öffentlich mit seiner Stiefschwester, und ob er gleich keine Kinder mit ihr erzeugte, so wußte sie doch seine Liebe unverändert bis an das Ende ihrer Tage zu erhalten. Ueber ihren Tod gerieth er in die tiefste Betrübniß, und fand nur darin noch die einzige Freude, daß er ihr Gedächtniß ehrte, und sich ausschließlich damit beschäftigte, ihr Ehrensäulen zu errichten, und Städte zu erbauen, die er nach ihrem Namen nannte. Sein Lieblingsgedanke war die durch den Künstler Dinokrates zuerst in ihm erweckte Idee, ihr einen Tempel zu weihen, in welchem ihr Bildniß von Stahl durch die Kraft eines Magnets schwebend in der Luft erhalten werden sollte. Dieses seltsam ausgedachte Werk kam jedoch nicht zu Stande, da sowohl Ptolemäus als der Künstler kurz vor der bestimmten Zeit starben, wo die Ausführung versucht werden sollte.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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