Rossi, Propertia

Rossi, Propertia. Mit der Sicherheit des Meisters den Griffel führend wie den Pinsel, und den Saiten der Laute die lieblichsten Töne entlockend, hatten doch der Frauen zarte Hände es noch nie mit Glück versucht, in dem harten Steine das ideelle Leben und Träumen ihrer weichern Seele bildend zu offenbaren. P. war die erste ihres Geschlechts, welche auch in der Bildhauerkunst unsterbliche Lorbeeren errang. Zwei Engel in Marmor, welche noch jetzt die Petroniakirche in ihrer Vaterstadt Bologna zieren, die ersten vollendeten Gebilde ihres Meisels, verkündigten zuerst bedeutsam in ihrer wahrhaft ätherischen Gestalt, in welchen Regionen die Seele der Künstlerin weile. Mit unendlicher Zartheit wußte sie später außer vielen Apostelgestalten die ganze Passionsgeschichte auf Pfirsichkörner darzustellen; und selbst heimisch in dem bunten Farbenreiche der Malerkunst war sie, die den Steinen unsterbliches Leben einzuhauchen verstand, zugleich eine ächte Priesterin jenes Orpheus, der durch seine Melodien die todten Steine zu beleben wußte. Ihr letztes und schönstes Werk ist ein Basrelief mit der Gruppe des Joseph und der Potiphar, in der sie sich selbst eine leise Mahnerin war, da sie, bereits die Gattin eines Andern, sich in heimlicher Liebe gegen einen Jüngling verzehrte. Aus Gram über eine Neigung, die ihr eignes tugendhaftes Herz verdammte, aber nicht gänzlich besiegen konnte, starb sie in der Blüthe ihrer Jahre 1530. B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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