Salons

Salons. Es ist eine unbestrittene Wahrheit, daß die Franzosen die Gesellschaft weit heiterer und ungezwungener zu genießen wissen, als ihre lieben Nachbarn jenseits des Rheines, die dem Worte gewöhnlich klappernde Schüsseln, pokulirende Männer und stummlächelnde Frauen zum Nebenbegriff gegeben haben. Wohl trifft man auch in Paris große und kleine Feste, welche, die National-Munterkeit abgerechnet, Aehnlichkeit mit den unsern haben mögen; aber immer bleibt der leichten, wahrhaft ergötzenden, nicht selten bildenden Conversation ein Zufluchtsort – die Salons. Jede Familie nämlich, deren Vermögen es nur einigermaßen erlaubt, die Gelehrten, die Künstler, beliebte Sterne vom Theater, selbstständige Frauen etc. öffnen entweder fortwährend, oder an bestimmten Tagen ihr Besuchzimmer, Salon, den Freunden, Bekannten und von diesen Einzuführenden. Besonders eingeladen ist Niemand. Die Frau vom Hause, oder irgend eine verwandte Dame führt bei diesen improvisirten, im Laufe der Stunden oft wechselnden Zirkeln den Vorsitz. Ein Piano, Harfe, Guitarre, Bilderwerke, neue Bücher, Zeichenmaterial finden sich im S. Die Besucher beschäftigen sich damit, wie es ihnen gefällt. Man muß nicht sprechen, wenn man keine Luft dazu hat, und man kann die witzigsten Wortspiele wagen, wenn man Geist genug dazu in sich spürt. Die Bedeutsamkeit eines Salons hängt natürlich von den sich dort Versammelnden ab und die Großen und Begüterten trachten daher vorzüglich darnach berühmte, geistreiche Männer und Frauen, ausgezeichnete Talente um sich zu versammeln. Willkommen ist der Mime von Ruf im Salon der Pairesse und Herzogin, willkommen der Schriftsteller, der Virtuos, der Maler. Letzterer wird gern in Anspruch genommen, das Album von Madame mit einem jener hübschen Aquarellbildchen zu bereichern, die jetzt in Paris so sehr en vogue sind, die Andern müssen ihren Eintrittspreis mit süßen Tönen und angenehmer Conversation zahlen. Es wird nur Thee servirt, man will sich lediglich unterhalten, causer – schwatzen. Der Diplomat, der ernste Gelehrte, der strenge Jurist, der Deputirte lassen sich herab mit den Damen zu schwatzen und sogar auf ihre Meinung über bedeutende Dinge zu hören. Die Salons dieser oder jener berühmten, schönen oder klugen Dame waren von Einfluß bei älteren und jüngsten Staatsumwälzungen, und noch in neuester Zeit behaupten die Gräfin Appony, die Herzogin von Dino, Talleyrand's Nichte, und die Fürstin Lieven dieses Vorrecht. In den nur geselliger Unterhaltung gewidmeten Salons finden junge, aufstrebende Talente nicht selten Aufmunterung, gütigen Rath, Protection; aber leider bieten sie auch genug Schattenseiten, als: verderbliches Geklätsch, das mit dem in Frankreich so furchtbaren Fluche des Lächerlichen denjenigen bedroht, den verdient oder unverdient ein glückliches bon mot traf, Coterien von jeder Farbe und Pflanzschulen für die Eitelkeit, die jeder Häuslichkeit entgegen nur auf das Effectmachen im S. speculirt.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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