Schlegel, A. W. und Friedr. von, Gebrüder

Schlegel, A. W. und Friedr. von, Gebrüder, August Wilhelm und Friedrich von, zwei Brüder, vornehmlich durch ihre kritischen Bestrebungen und als die Stifter jener neuen Dichterschule berühmt, welche kurzweg die romantische genannt wird, und trotz dem, daß sie von Göthe hart angegriffen und fast zu Boden getreten wurde, bei allen den Tändeleien, in welche sie sich verirrte, doch auch einen sehr wohlthätigen Einfluß auf die deutsche Literatur gehabt hat. – A. W. wurde am 8. Septemb. 1767 zu Hannover, F. ebendaselbst am 10. März 1772 geboren. Ihr Vater war der auch als Dichter und Kanzelredner bekannte Generalsuperintendent des Fürstenthums Lüneburg, Johann Adolph S. Beide Brüder haben sich fast in allen Zweigen der Kritik und des Sprachstudiums als Männer von tiefem Geist und einer bewundernswürdigen Gelehrsamkeit bewährt. A. W. nahm schon früh an den »Horen,« sowie später an den Musenalmanachen von Schiller lebhaften Antheil. 1797 begann er seine meisterhafte Uebersetzung des Shakespeare, die in der Geschichte der Uebersetzungskunst eine wahrhaft imposante Stelle einnimmt, denn er bekundete in ihr, sowie auch in seinem später erschienenen »Spanischen Theater,« den »Blumensträußen der italienischen, spanischen und portugiesischen Poesie« und seiner »Indischen Bibliothek,« vor allen anderen Uebersetzern jene eigenthümliche, geniale Leichtigkeit, mit der er sich echt künstlerisch ganz in den Geist des Originals zu versetzen weiß. Zugleich mit seinem Bruder gab er die berühmte ästhetisch-kritische Zeitschrift, das »Athenäum« heraus, welches, wenn auch zuweilen Feuerbrände, doch auch viel des trefflichsten Zündstoffes unter die Geister warf. Er war zugleich ein trefflicher Pfleger des Sonettes, und unter seinen vielen, in einer glänzenden und bilderreichen Sprache abgefaßten Gedichten haben mehrere, wie der »Arion,« »der h. Lucas« und die köstliche Elegie »Rom« einen bleibenden Werth. Er war zweimal verheirathet; beide Bündnisse wurden aber bald wieder getrennt. Seit 1818 wirkt er als Professor zu Bonn. – Auch Friedrich zeichnete sich durch eine Fülle allseitiger Gelehrsamkeit und die Originalität des Selbstdenkers aus. Vielen Widerspruch erfuhr der erste Theil seiner berüchtigten »Lucinde,« die er auch nicht vollendet hat; man erblickte in ihr, und wohl auch mit Recht, eine verderbliche Idealisirung der Sinnlichkeit. In seinen zahlreichen Gedichten wandte er mit großem Glücke die Assonanz (s. d.) an. Er gab eine Zeit lang die gediegene Monatsschrift: »Europa« heraus, veranstaltete eine schöne Sammlung romantischer Dichtungen des Mittelalters, und lieferte viel Treffliches in seinem »Poetischen Taschenbuche« für 1806. Der ganzen deutschen Nation gehört seine herrliche Geschichte der Literatur aller Völker an. Würdig stand ihm seine Frau, Dorothea S., eine Tochter des berühmten Mendelssohn, zur Seite. Unter seinem Namen schrieb sie den Roman »Florentin,« mehrere Aufsatze im »Athenäum« und Gedichte in der »Europa.« Im »Poetischen Taschenbuche« unterzeichnete sie sich mit D. Auch soll die unter ihres Mannes Namen erschienene Uebersetzung der Corinna der Frau von Staël, von ihr sein. Mit ihr zugleich ging F. in Köln zur katholischen Religion über, wie ihn denn überhaupt in seinen späteren Jahren ein gewisser Hang zum Mysticismus ergriff. Längere Zeit verlebte er in Wien, und starb plötzlich am 11. Januar 1829 zu Dresden, wo er kurz zuvor mystische Vorlesungen über die Philosophie des Lebens begonnen hatte.

S....r.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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