Schwindtsucht

Schwindtsucht, eine Krankheit, die von Vereiterung, Verzehrung und übermäßiger Absonderung eines Organs herrührt, und mit schleichendem Fieber verbunden ist, welches die Lebenskräfte aufreibt. Die wichtigste S. ist die der Lungen, die Tausende von Menschen befällt. Sehr oft sind es gebildete, geistreiche, liebenswürdige Wesen, die nicht selten von der Geburt an bestimmt sind, dieser fürchterlichen Krankheit anheim zu fallen. Die Anlage zu dieser Krankheit haben Kinder schwindsüchtiger Eltern, scrophulöse Personen und solche, die durch falsche Erziehung einen hektischen Bau des Oberkörpers bekommen, als schmale, flache, eingedrückte Brust, vorgeschobene Schultern, herausstehende Schulterblätter etc. Kinder, die schnell wachsen, schwächlich, unkräftig sind, leicht ermüden, später schmachtend aussehen, perlweiße Zähne, rothe Lippen, schönen Haarwuchs, geistreich lebhafte Züge, große, seelenvolle Augen, zarte Glieder, ein gutes Gedächtniß, lebhafte Phantasie, dichterischen Geist, lebhaftes Temperament haben und mit zarter Begeisterung am Gegenstande ihrer Zuneigung hängen, sind, wenn jener fehlerhafte Bau zugleich vorhanden ist, sehr häufig ein Opfer dieser Krankheit, da es nur einer geringen Ursache bedarf, wie Kummer, eine Leidenschaft, Erhitzung oder Erkältung, um sie hervorzurufen. Besonders verderblich wirkt die Angst, wenn z. B. solche zarte Personen erfahren, daß die Eltern daran gelitten haben, oder wenn schon Geschwister an diesem Uebel gestorben sind. Dadurch fiel manches Opfer, das gar keine Anlage hatte. Die höchste Berücksichtigung verdient die Erziehung, damit durch einen vernünftig und naturgemäß ausgebildeten Körper die Krankheit vermieden werde, denn mehr als jede andere Ursache trägt eine zu enge eingebogene Brust Schuld am Entstehen des Uebels, weil diese die Lungen an gehöriger Ausdehnung verhindert, die ausgedehnte Lunge aber drückt und so zu Entzündung und Vereiterung Veranlassung gibt. Aber auch gesund gebaute, kräftige Menschen können schwindsüchtig werden, wie dieß häufig, nach den ohne Blutentziehung behandelten Brustentzündungen, der Fall ist eben so können äußere Ursachen, Erhitzungen, Erkältungen, übermäßige Anstrengungen, Einathmen einer kalkstaubhaltigen Luft, Fehler der weiblichen Function, sitzende Lebensweise etc. zur Entstehung beitragen. Verborgen und dem Kranken selbst unbemerkt entwickelt sich die Krankheit mit kleinen Schaudern, Frösteln, überlaufender Hitze, Hüsteln, geringem Brustweh etc., und erst nach längerer Zeit, oft nach Jahren, erreicht sie die Höhe mit Husten, Auswurf, Abmagerung, Nachtschweiß, welche dem Kranken dann zeigt, daß er wirklich krank sei. Für Brustkranke paßt eine milde Diät, Milch und Molkenkur, Schonung in körperlicher und geistiger Beziehung, die aber nicht Unthätigkeit werden darf, leichte, nicht drückende, aber dabei warme Kleidung, vorsichtiges Bergsteigen, Aufenthalt auf dem Lande und in Kuhställen oder in der guten Jahreszeit Reisen nach Salzbrunn, ein vortrefflicher Kurort für Lungenkranke, Ems, an den Genfersee, Mont d'or in Auvergne, wo man die herrliche Traubenkur brauchen kann (man ißt täglich gegen 2 Pfund Weintrauben), Castellamare etc. Im Sommer taugt das übrige Italien nicht für Brustkranke (s. Badereisen) und im Winter schaden die Gegenden, welche dem Mistral ausgesetzt sind.

D.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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