Athmen

Athmen nennt man den Prozeß des thierischen Körpers, durch welchen die zur Erhaltung des Lebens nöthige Luft in die Lungen gebracht und die entmischte ausgestoßen wird, und er besteht daher aus zwei wechselnden Momenten, dem Ein- und Ausathmen. Die Lunge ist das luftbedürftige Organ und die Brusthöhle vermittelst ihrer Muskeln, Häute und beweglichen Knochen bewerkstelligt das Athmen auf eine Weise, die, abgesehen von den lebenden Kräften, wohl mit einem Blasebalg verglichen werden kann. Aber nicht alle zum Bestehen des Körpers, nur die zum Leben höchst nothwendige Luftmenge wird durch diesen Proceß in denselben gebracht. Die ganze Oberfläche des Körpers haucht Luft ein, athmet auf eine unvollkommene Weise. Daher ist es erklärlich, wie unreinliche oder in schlechten Behausungen wohnende Menschen eben so wie Pflanzen im Keller ohne Luft und Licht verbleichen. Der erwachsene Mensch athmet ungefähr 18 Mal in der Minute, jedes Mal 40 englische Kubikzoll Luft ein. Die Luft wird in die zarten Lungenzellen geführt, läßt dort Theile zurück und nimmt dafür andere an, die der Körper auf diese Weise ausführt; zu diesen letztern gehört, außer einem für's Bestehen des Lebens schädlichen Lufttheil, besonders Wasserdunst und überflüssige Wärme, weshalb das Athmen auch der Proceß ist, der das Gleichgewicht der Wärme im Körper erhält und zur Abkühlung dient. Jedes Hinderniß des Athmens beeinträchtigt die Gesundheit, weil nicht genug von dem mit Recht Lebensluft genannten Theile der atmosphärischen Luft in die Lunge und das Blut gelangen kann. Zu feste Kleidung, welche die Ausdehnung der Brusthöhle hindert, zu vieles Tanzen, Laufen, schnelles Ersteigen der Berge, zu schnelles Reden und Lautlesen bringen sehr großen Nachtheil, weil man nicht tief einathmen, d. y. nicht alle Lungenbläschen mit Luft erfüllen kann, oder weil man zu schnell athmen muß, wobei die Luft gewiß nur unvollkommen entmischt wird.

D.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Athmen — (Respiration), nebst dem Herz u. Arterienpulsschlag, erste Bedingung des thierischen Lebens, indem das Blut eines steten Empfanges von Stoffen bedarf, die nur die atmosphärische Luft ihm bietet, u. dagegen Stoffe zurückgibt, die ohnedies dem… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Athmen — (Respiration) ist derjenige physiologische Vorgang im Pflanzenund Thierleben, welcher die gegenseitige Einwirkung der atmosphärischen Luft und der pflanzlichen und thierischen Säfte vermittelt, zum Zwecke der Belebung und Wiedererfrischung dieser …   Herders Conversations-Lexikon

  • Athemen — Athemen, oder Athem, verb. reg. 1. Neutrum, welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, Athem hohlen, und ausstoßen, doch mehr in der edlern und höhern Schreibart, als im gemeinen Gebrauche. Wie pocht mir das Herz! Es ist mir so zusammen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Sterben — Sterben, der Übertritt aus dem Leben in den Tod. Es unterliegen dabei zunächst die Muskelkräfte; eine allgemeine Mattigkeit deutet an, daß das Eigenvermögen das Leben in einer bestimmten Sphäre selbst zu leiten seinem Erlöschen nahe sei; hierzu… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Winterschlaf — Winterschlaf, der Schlaf, in welchen gewisse Thiere, meist unter der Erde od. in Bäumen, zu Anfange des Winters verfallen u. mit od. ohne Unterbrechung, mehre Monate verharren u. hierbei dem Mangel u. Leiden bei Kälte entgehen. W. halten in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Amphibien — (v. gr., doppellebige [beidlebige] Thiere, Reptilien, Lurche, Amphibia reptilia), die dritte Klasse bildende Wirbelthiere, mit kaltem, rothem Blute, u. in vollkommenem Zustande durch Lungen od. Lungen u. Kiemen zugleich athmend; das Herz hat 2… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Fische [1] — Fische (Pisces), 1) niedrigste Klasse der Wirbelthiere, ausgezeichnet dadurch, daß sie kaltes, rothes Blut haben, nur durch Kiemen athmen u. statt der Vorderbeine mit Flossen versehen sind. Ihre Gestalt ist meist elliptisch, auch spindel od.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Kehlkopfkrankheiten — betreffen vorzugsweise die Schleimhaut, höchst selten die Knorpel u. deren Oberhaut (Perichondrium). Die Anlage zu den K. liegt oft in der ganzen Leibesbeschaffenheit begründet, das Kindesalter neigt zu Croup u. Katarrh, in der Zeit der Pubertät… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Kropf [1] — Kropf, 1) eine bei den meisten Landvögeln, bes. aber bei Körner fressenden, vorkommende Erweiterung der Speiseröhre, in welche diese am Halse, oberhalb der Brust übergeht u. die bei Anfüllung hier sichtbar u. fühlbar wird. In ihr wird das… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Lunge — Lunge, 1) (Pulmo), das zum Athmen dienende, den größten Theil der Brusthöhle ausfüllende Körperorgan; eigentlich ein einfacher Theil, welcher aus einer rechten u. linken Abtheilung (Lungenflügel) besteht, welche beide durch die Luftröhre zu einem …   Pierer's Universal-Lexikon

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