Siebold, Charlotte von

Siebold, Charlotte von, Charlotte von, genannt Heiland, eine jener seltenen weiblichen Erscheinungen, die aus der engern Sphäre der Häuslichkeit heraustretend, mit liebender Aufopferung und unablässiger Thätigkeit, sich ein höheres Ziel wissenschaftlicher Bildung und praktischer Wirksamkeit stecken und erreichen. Und es ist ein besonderes Verdienst der Charlotte von S., daß sie, weit entfernt auf Kosten der schönsten Zierde ihres Geschlechts, der Weiblichkeit, einem zweideutigen Ruhm nachzustreben, vielmehr ihre männliche Kraft so schön mit dem Berufe der Frauen paarte, und für eine recht eigentlich weibliche Kunst wirkte und lebte, – für die Entbindungskunst. Geb. 1792 zu Seligenstadt und nach ihres Vaters Tode, eines Beamten, Namens Heiland, von ihrem Stiefvater, dem Hof- und Medicinalrathe Dr. Damian von Siebold zu Darmstadt adoptirt, theilte sie mit ihrer, ebenfalls als Geburtshelferin berühmten Mutter Regina Josephe von S., geb. Henning, die gleiche Neigung sowie die gleichen Talente für die obstetricische Praxis. Unter der Leitung ihrer Eltern aufs Zweckmäßigste vorbereitet, bezog sie 1812 die Universität Göttingen, studirte daselbst regelmäßig die Geburtshilfe mit allen ihren Hilfsfächern, unterwarf sich 1817 einem strengen Examen in der Entbindungskunde bei der medicinischen Facultät zu Gießen, vertheidigte selbst in einer öffentlichen Disputation eine Anzahl Streitsätze und wurde hierauf (am 20. März 1817) feierlich von dieser Facultät zum Doctor der Entbindungskunst proclamirt. Von nun an breitete sich ihr Ruf als eine der geschicktesten Entbindungskünstlerin mit reißender Schnelligkeit aus. Im Jahre 1820 wurde sie nach London zur Entbindung der Herzogin von Kent (von der jetzigen Königin von England, Victoria) berufen. Mehrere kleine Schriften geburtshülflichen Inhalts, welche während dieser Zeit von ihr erschienen, bewährten außer ihrer Sachkenntniß auch ihr schönes schriftstellerisches Talent, und ihr Wirkungskreis hatte sich 1834 in Darmstadt, ihrem Wohnorte, so vergrößert, daß sie, wenn nicht den Jahren nach, doch in Betracht ihrer reichen Erfahrungen, mit Recht zu den Veteranen in der Entbindungskunst gezählt wurde.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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