Staar (Medicin)

Staar (Medicin), nennt man zwei Arten von Blindheit, die aber ganz verschieden sind. Der graue Staar ist eine organische Krankheit der Krystalllinse oder der Kapsel derselben, wodurch die Durchsichtigkeit dieses Lichtstrahlenbrechungsorganes verloren geht. Viele äußere und innere Ursachen, Einwirkungen, die durch Anstrengung des Auges, durch Schlag und Stoß, oder auch durch allgemeine Störungen des Organismus herbeigeführt werden, tragen zur Entstehung des Uebels bei, das nur unter glücklichen Umständen durch eine Kur, sonst aber durch die Operation gehoben werden muß Die Operation kann auf viererlei Weise bewerkstelligt werden. Der Staar, d. h. die kranke Linse, wird herausgezogen, nachdem ein Schnitt gemacht, die Linse mit einem Nadelinstrumente gelöst und durch leisen Druck zum Vordringen gebracht worden ist. Bei den übrigen drei Operationsmethoden bedarf es keines Einschnittes. Will man die Linse niederdrücken, so sticht man mit einer Staarnadel einige Linien weit vom Rande der Hornhaut in den Augapfel in das Weiße des Auges, und drückt die Linse hinab, wo sie dann verborgen bleibt. Bei den andern beiden Operationen wird der Staar entweder nach hinten gedrückt, wodurch er unter den Glaskörper zu liegen kommt, was Umlegung heißt, oder er wird, nachdem ein Stich durch die Hornhaut gemacht wurde, zerstückelt. Umstände und auch die Gewohnheit des Arztes bestimmen die Anwendung der einen oder anderen Operation, bei jeder aber wird durch Anwendung von Mitteln die Pupille in einen erweiterten Zustand gebracht und das obere Augenlid durch eine dazu geformte Klammer festgehalten. Der schwarze Staar ist eine aus Krankheit des Sehnerven oder seiner Ausbreitung, der Nervenhaut, entstehende Blindheit, die im schwächeren Grade unvollkommene Blindheit genannt wird. Dieß Gelähmtsein des Augennerven, das von Auswüchsen in der Augenhöhle, grellem Lichte, Verletzungen, Erschütterungen, heftigen Anstrengungen beim Niesen, Husten, Blutandrang, zurückgetretenem Schnupfen, Schwäche, Unterleibsleiden, Gicht, Rheumatismus etc. entsteht, äußert sich Anfangs durch Flor und Nebel vor den Augen, Farbensehen, Mückenfliegen, Ineinanderschwimmen des Gegenstandes, wobei nur um hellen Tage noch Gesichtsfähigkeit besteht, die Pupille unbeweglicher wird und endlich unverändert fest steht. Die Kur ist innerlich gegen die Ursache und äußerlich entweder ableitend oder nervenbelebend, und nach den Ursachen ist sie häufig glücklich, häufiger aber ist das Uebel unheilbar.

D.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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