Stieglitz, Heinrich

Stieglitz, Heinrich, der Gatte der unglücklichen Charlotte S. (s. den vorhergehenden Artikel), einer der geistreichsten Mitstrebenden im Gebiete der modernen, deutschen Poesie, wurde 1803 zu Arolsen geb., bezog 1820 die Universität Göttingen, und studirte später in Leipzig die Philologie. 1828 wurde er zum Custos der königl. Bibliothek in Berlin ernannt. Schon 1823 erwarb er sich zugleich mit Ernst Große als Lyriker durch die in Leipzig erschienenen »Gedichte zum besten der Griechen« einigen Ruf, und bewährte sein lyrisches Talent noch in höherem Grade durch seine Beiträg für den »Berliner Musenalmanach« (1829). Mehrere dieser Lieder setzte Konradin Kreutzer mit dem ihm eigenen Talente, sich ganz in den Geist der Dichtung hineinzusinnen, sehr glücklich in Musik. Eine wahrhaft orientalische Gluth bei aller ihrer sonstigen, echt occidentalischen Auffassung athmen des Dichters »Bilder des Orients« (bis jetzt 4 Bde., Leipzig 1831–33), in denen uns das wunderbare Völkerlabyrinth Asiens in kleinen poetischen Mosaikbildern aufgerollt wird von Seherhand, und die Phantasie als Clio ohne Gefährde des innern Geistes der Wahrheit, in geistreichen Umrissen uns die alte Wiege der Menschheit mit goldenem Griffel zeichnet. Vorzüglich gelungen ist darin die Osmanentragödie: »Selim« und die humoristisch-dramatische Darstellung des chinesischen Lebens. Sein neuestes Hauptwerk ist die lyrische Tragödie: das »Dionysosfest,« in welcher zwei Träger grundverschiedener Lebenselemente um den Preis der Geschichte, um die Anerkennung der siegenden Existenz streiten: – Dionysos, der Gott, welcher eine neue Religion der Milde, der Freude, des Friedens bringt, und Lykurgos, König der Edonen, der dem alten, blutigen Sonnendienste anhängt; ein eben so originelles als tiefsinniges, historisches Entwickelungsdrama, ausgezeichnet auch durch seine Form, in der die altklassische, dem Stoffe anhaftende Färbung der Diction mit großer Leichtigkeit in den modernen Schmelz des Reimes und das durch ihn bedingten rhythmischen Baues gebracht ist. Schon seit längerer Zeit wartet man vergebens auf die von ihm angezeigten »Erinnerungen aus meiner jüngsten Sommerreise,« die als das Ergebniß einer Reise durch Rußland im Sommer 1833, sicher viel Interessantes und Geistreiches bringen würden.

S....r.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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