Sumatra

Sumatra. Die Sunda-Inseln bilden die ersten Pfeile jener sturmtrotzenden Riesenbrücke, welche im Verein mit den Molukken und Philippinen Asien an das Australland kettet; und unter ihnen ist S., nur durch die enge Malaccastraße von der ostindischen Halbinsel jenseits des Ganges getrennt, der westliche große Gebirgsdamm, der seinen, über 7000 Quadrat M. messenden, mit der üppigsten Vegetation bekleideten Rücken aus der Tiefe des indischen Oceans erhebt. Hier an den weiten Gestaden des rauschenden Meeres, unter einem mäßig heißen Klima, das keinen andern Winter als den Wechsel der Passatwinde und das regnerische Umspringen des Monsuns kennt, herrscht eine ewige Frühlingsfeier der Natur. Edle Metalle, kostbare und nützliche Steine liegen unaufgewühlt in den geheimnißvollen Schachten des »Osir« (13,000 F. hoch); seltsame Dillemiaceen, wie die herrliche »Rafflesia,« mit Blumen von. 3 F. im Durchmesser, beschatten die eßbaren Vogelnester; die saftigsten Melonen von einem Gewichte von 200 Pfund glühen neben 300 Pfund schweren Bataten; alle Producte Ostindiens (s. d.) sind oft auf dem kleinsten Raume vereint! In den Urwäldern von Palmen und Manschinell-Bäumen hausen Elephanten, Tiger, Rhinocerosse, Riesenschlangen und Büffel, und die malaischen Urbewohner der Insel, die kannibalischen Battas und Lampuns, tauchen hier unerschrocken ihre tödtlichen Wurfgeschosse in das Gift des Upasstammes. Längs den friedlicheren und angebauteren Küsten fand indeß europ. Kultur durch den Speculationsgeist Hollands, Englands und Frankreichs unter den Malaien von muhammedanisch-heidnischer Religion Aufnahme und Fortgang. Vorzüglich ließen sich Chinesen und Holländer nieder, welche letztere jetzt hier dem ehemals unabhängigen Staat Palembang (150,000 Ew.) an der Ostküste mit der Handelsstadt gl. N., sowie an der Westküste das früher englische Benkulen (80,000 Ew.) besitzen. Außerdem gibt es jedoch, namentlich im Innern, noch verschiedene unabhängige Staaten unter einheimischen Fürsten. Die Ureinwohner sind etwas kleiner und weniger braungelb als die übrigen Malaien. Ihre Kleidung besteht aus einem baumwollenen, von den Frauen selbst gewebten Zeuge, welches den Oberleib bis unter die Hüften bedeckt; ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Mais und süßen Kartoffeln, an Festtagen aber essen sie frisches Pferdefleisch und berauschen sich in Palmwein. Die Häuser sind von Bambus und haben nur ein Gemach. Die Frauen hüllen sich ebenfalls in selbstgewebte baumwollene Zeuge und tragen allerlei Schmuck von Kupfer, Silber oder Gold, auch von polirten Muschelschalen. Viele derselben lassen ihr schwarzes Haar so lang wachsen, daß es oft die doppelte Länge der ganzen, nicht unansehnlichen Körpergröße erreicht; unter einigen Stämmen ist es sogar Sitte, daß sie sich ihre herrlichen Alabasterzähne schwarz färben und das rosige Zahnfleisch mit Einfassungen von Goldblech zieren. Die Männer heirathen übrigens so viel Frauen, als sie ernähren können; doch müssen dieselben alle Haus- und Feldarbeiten verrichten, während die Ehemänner, wenn sie nicht jagen oder in den Krieg ziehen, müßig gehen oder spielen.

P.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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