Augenpflege

Augenpflege, nennt man die Art und Weise, durch eine gewisse Behandlung oder angewendete Mittel die Sehkraft zu erhalten oder zu verbessern. Im Allgemeinen besteht die Pflege des Auges in der Vermeidung von Schädlichkeiten, und diese sind sehr mannichfaltig. Lange fortgesetzte Anstrengung, kleine Gegenstände der Betrachtung, glänzende und zu sehr erleuchtete Gegenstände, Mißbrauch von Brillen und Operguckern, Sonnenlicht, Sonnen- und Mondschein, der beim Schlafen auf die Augen fällt, Stuben mit Fenstern an zwei Seiten, Nachtarbeiten sind Schädlichkeiten, welche direct das Sehvermögen und die dabei betheiligten Nerven schwächen. Die Folge dieser können auch Krankheiten einzelner Theile des Auges sein, häufiger aber werden dieselben durch andere Einwirkungen begründet. So schadet die Einwirkung der Kälte, des Luftzugs, des Staubes; schlechte Luft in den Wohnungen, Rauch, Beisammensein vieler Menschen in engen Räumen u. s. w. erzeugen Entzündungen, welche die Sehkraft hindern, weil sie die Durchsichtigkeit des Sehapparates zerstören und den Blick verschleiern. Man hüte sich also vor anhaltender seiner Stickerei und Näherei, besonders aber nähe man nicht schwarze Sachen bei Lichte; setze sich dabei und beim Schreiben, daß die Sonne nicht auf das Papier oder die Arbeit scheint und immer so, daß das Fenster linker Hand sei, lese aber nie dem Fenster gegenüber, weil dann das Buch dunkel und das Auge dem vollen Lichtstrahl ausgesetzt sein würde. Die Morgenstunden sind die besten zur Arbeit. Nachmittags, wo durch das Essen der Blutandrang nach Kopf und Augen begünstigt wird, und Abends, wo die Sehkraft wie der ganze Körper ermatteter ist, schadet die Anstrengung des Gesichts. Wer des Abends arbeiten muß, sorge für eine nicht zu helle, ruhig und gleichmäßig brennende Beleuchtung. Mehrere Lichter geben ungleiches Licht, Wachslichter brennen düster, Talglichter aber müssen oft geputzt werden, und man muß dabei zu oft in die Flamme sehen. Eine Lampe mit einem Schirm ist die beste Beleuchtung, denn die Flamme flackert nicht. In Stuben mit Fenstern an zwei Seiten muß man grüne Vorhänge vor die der einen Seite machen, und das blendende Licht gegenüberstehender Wände und Häuser halte man durch Vorhänge oder Jalousien ab. Zu den besondern Stärkungsmitteln der Augen gehört vor Allem das kühle Wasser; es erfrischt, stärkt und mindert den Blutandrang bei Anstrengung. Man wasche die Augen, lege einen Schwamm mit kaltem Wasser auf die Augen oder die Stirngegend, und mache die besonders höchst nöthigen Pausen in der Arbeit. Es ist eine verderbliche Angewohnheit vieler Damen aus Sorgfalt für die Haut, sich bloß Abends zu waschen, und früh das Gesicht nur trocken abzureiben, denn gerade früh bedarf die Stirne und die Augen des kalten Wassers, damit das während des Schlafs durch die horizontale Lage zum Kopfe geströmte Blut abgekühlt und zurückgetrieben werde. Man kann dem Wasser geistige Flüssigkeiten zusetzen oder Pflaumen, Aepfel, geriebne Erdäpfel und befeuchtete Kompressen, oder Semmel in Milch geweicht auflegen. Man stelle einen Spiegel vor den Arbeitstisch und blicke oft hinein; dieß ist wohlthuend für das Auge, weil es eine Pause für die Anstrengung abgibt. Zu den besondern Mitteln gehören alle medicinischen Verordnungen und endlich die Instrumente zur Erhaltung und Verbesserung der Sehkraft, deren man sich aber nur nach dem Rathe und der Auswahl eines mit der Physik genau vertrauten Arztes bedienen sollte.

D.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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