Tataren

Tataren, im 13. und 14. Jahrhunderte der Schrecken Europa's, wo sie als die wilden, kriegerischen Nomadensöhne der asiatischen Wüste, erst als Besiegte, dann vereinigt in überwiegender Anzahl mit den Mongolen, Alles verheerend, gegen Westen vordrangen und 2 Jahrhunderte lang mit eisernem Scepter Rußland beherrschten. Damals war nur die Brust der Polen die Vormauer für ganz Europa, ihr flaches Land das Blutfeld der Heiden. Aus tausend slavischen Liedern klingt schwermüthig der Name der T. hervor, deren Tyrannenwüthen das gebeugte Volk im poetischen Lichte auffaßte, in wehmüthige Bilder kleidete, und schmerzvoll zu weinenden Gesängen verschmolz. – Die heutigen T., unter welchem Namen man die meist muhammedanischen Bewohner der Länder nördlich des schwarzen Meeres, an der Wolga, am untern Don und Dnieper, in Taurien, Kasan, Astrachan bis nach Sibirien hinein, sowie vereinzelt am Balkan, in Bessarabien und Bulgarien, an der Donau etc. begreift, wohnen jetzt mit den Russen mehr oder weniger vermischt zusammen und belaufen sich höchstens noch auf 3 Mill. Köpfe. Unter den außerordentlich zahlreichen Volkszweigen derselben sind die nennenswerthesten: die eigentlichen Tataren, zu welchen die kasanischen, astrachanischen und taurischen T. gerechnet werden, die Nogaier, Baskiren (s. d.), Kirgisen (s. d.), Jakuten und Teleuten. – Der T. ist von mittler Größe, sein Gesicht ist oval, die Hautfarbe mehr weiß als gelblich, die Augen klein und glänzendschwarz, das Haar dunkelbraun und die Zähne gesund und weiß. Dabei ist er thätig, offenherzig, gastfrei, muthig und zeigt eine männliche, würdevolle Haltung. Die Kleidung einiger Stämme gleicht der orientalischen, die anderer mehr der polnischen. Die Frauen vieler Stämme sind fast schön zu nennen: sie tragen weite Beinkleider, darüber in warmen Tagen ein seidenes oder kattunenes Hemde, und im Winter einen wollenen Zeugrock. Sie befinden sich weit besser und leben freier als bei den Türken und anderen Muhammedanern: doch lassen auch sie sich selten ohne Schleier sehen.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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