Taube

Taube, der geweihete Vogel der Cypris, das Sinnbild unschuldiger Liebe und jungfräulicher Falschlosigkeit, in der christlichen Symbolik auch geheiligt als Sinnbild des heil. Geistes. – Die T'n bilden eine Familie der hühnerartigen Vögel und zeichnen sich durch ihre eigenthümlich liebkosende Stimme, das Girren, aus. Man hat bis jetzt deren gegen 150 Arten entdeckt; die bemerkenswerthesten derselben sind, außer der inländischen wilden T. oder Holztaube und den gemeinen Haus- und Feldtauben: die Brief- oder Posttaube, mit weißlicher, höckeriger Wachshaut auf Schnabel und um die Augen; die Turteltaube, so benannt nach dem Klange ihrer Stimme, mit einem schwarzen, weißgestrichelten Halsflecken und Schwanzfedern, die an der Spitze weiß sind; die Lachtaube, grauröthlich mit einem schwarzen, halbmondförmigen Fleck und einer Stimme wie das Lachen eines Menschen, sehr reinlich und verträglich, weßhalb sie auch als Stubenvogel gehalten wird, wo man ihr einen Korb zum Neste gibt; und die Wandertauben in Nordamerika, welche binnen 12 Stunden wenigstens 100–120 deutsche Meilen zurücklegen und in den ungeheuersten Zügen, in mehreren Schichten übereinander und dicht gedrängt, oft in einer Breite von 3 Stunden und mehr, in gleicher Dichtigkeit 5–6 Stunden hintereinander an dem Beobachter vorüberfliegen. Der erste Führer gibt alle Bewegungen und Krümmungen an, denen der ganze Zug auf das Genaueste Folge leistet. Das Nachtlager eines solchen Schwarmes bietet ein vollständiges Gemälde der Verwüstung dar; alle Bäume werden entlaubt und nach einigen Wochen fallen sogar die Aeste herab, geknickt von dem Gewichte so dichtgedrängter Scharen, welche sich auf ihnen Platz zum Niedersitzen suchten. – Die Taubenfedern werden bekanntlich gefärbt und zum Schmucke gebraucht. – Bei den Juden waren allein unter allen Thieren die T'n, namentlich die jungen und Turteltauben, zu den Opfern zulässig. In Syrien und Phönizien wurden sie als heilige Thiere verehrt; auch die Samaritaner beschuldigte man dieser Verehrung. In Griechenland gaben weissagende, mit menschlicher Stimme begabte, T'n von der heiligen Eiche des Zeus in Dodona die Orakel herab. Mit Aphrodite sollten, der Sage nach, die ihr geheiligten Tauben, deren einige ihren Wagen zogen und die sich in großer Anzahl um ihren Tempel zu Eryx in Sicilien aufhielten, von selbst alljährlich nach Lybien gezogen und wieder zurückgekehrt sein. Außer der Aphrodite waren sie auch noch dem Dionysos geheiligt. Als Zeus auf Kreta erzogen wurde, holten T'n zu seiner Nahrung aus dem Oceanus Ambrosia; doch kam alltäglich bei diesem Ausfluge eine derselben in den Irrfelsen, Planktä, um. In den Haruspicien waren die T'n von guter Vorbedeutung. Die Römer aßen sie sehr gern, besonders die Turteltauben; deßhalb wurden sie von ihnen sehr sorgfältig gepflegt, und die Taubenhäuser, welche inwendig weiß angestrichen waren, weil die T'n diese Farbe besonders lieben, auf dem obersten Theile eines Hauses nach Mittag zu angebracht und darin die Nester auf's Sorgfältigste vorgerichtet. Schwarze T'n waren in Aegypten das Sinnbild für die Witwen, die sich nicht wieder vermählten, sondern dem Gatten treu blieben bis in den Tod. T'n zum Brieftragen zu gebrauchen, war jedenfalls schon sehr früh im Orient bekannt; die Araber brachten diesen Gebrauch mit nach Spanien, und jetzt ist bekanntlich derselbe mehrfach im Großen gemacht worden (s. Brieftaubenpost). – Die Taubenliebhaber verstehen es auch, den T'n verschiedene Zeichnungen zu geben, indem sie die Farbe, die sie an den T'n lieben, grell in den Taubenschlag malen lassen, worauf die junge T. diese Zeichnung, jedoch blässer, wirklich trägt. – Der Umstand, daß die T. durch Zähmung zum Futterpicken aus der Hand, aus dem Ohr gebracht werden kann, wurdebekanntlich von Muhammedbenutzt, um dem Volke glauben zu machen, die Taube, als das Symbol des heil. Geistes, theile seinem Ohr die unmittelbaren Rathschläge und Eingebungen des Himmels mit.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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