Terni

Terni. Zwischen zwei Armen der schäumenden Nera in einem wunderlieblichen Thale, wo sich das Wildmagische der Romantik mit den Idyllen der ausgebildetsten Agricultur und der tragischen Epopöe der zertrümmerten Vorwelt zu einem wahrhaft poetischen Gemälde vereinigt, liegt dieses, zur röm. Delegation Spoleto gehörige, Städtchen, das Interamna der Alten, der Geburtsort des großen Geschichtschreibers Tacitus. T. selbst aber schreibt sich mit lebendigem Griffel seine eigene Geschichte in reichen Tableaux der Vergangenheit und Gegenwart. Während das ganze Thal ein italischer Sonnentempel ist, erheben sich in der Kirche San Salvadore die Trümmer eines Sonnentempels, im amphitheatralischen bischöflichen Garten die eines Amphitheaters, und in der Villa Spada röm. Bäder. Von der schönen Terrasse der Cathedrale genießt man der herrlichsten Aussicht auf die von 6000 Ew. belebte Stadt. Unter dem scherzenden Geleite der Westwinde führt uns ein Seitenpfad von hier auf den nahen Aeolusberg mit seiner merkwürdigen Windgrotte, in welcher beständig die Winde rasen, während der Berg selbst mit seinemreinen, unumwölkten Haupte wie ein weiser, jugendlicher Greis erscheint, der nur noch lächelt über die Stürme in seinem Innern. Und was die Natur bot, überbot fast für diese Gegend noch die Kunst: vier Miglien von T., in einem von Dörfern und Ruinen alter Burgen malerisch umkränzten Felsenthale schaut das entzückte Auge des Reisenden das von dem Römer Dantalus im J. 480 der Stadt Rom vollendete Riesenbauwerk, die Marmorcascade, durch welche sich der Velino in die über 1000 F. unter ihm strömende Nera in drei Fällen stürzt. Brausend und dröhnend fällt der Wasserstrahl zwischen zwei Hügeln hinab, wandelt sich für den Schauenden in dichten Nebel und Silberschaum, in beweglichen Sonnenschein und funkelnde Perlen, für die nachbarlichen Gebüsche und Fluren zum träufelnden Segen, für das ganze, alljährlichen Ueberschwemmungen ausgesetzte Thal aber zum gefahrableitenden Rettungsengel.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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