Thüringer Wald

Thüringer Wald. Von dem Mittelpunkte Deutschlands, dem Fichtelgebirge, geht ein langer, schmaler, waldiger Gebirgsrücken aus, der sich von Südosten nach Nordwesten beinahe 18 geographische Meilen weit erstreckt. Von dem Volksstamme, welcher seit vielen Jahrhunderten im Besitz seiner Berge und Thäler, Quellen und Forste ist, ihn zuerst anbaute und bevölkerte, und seit dem Ende des achten Jahrhunderts als südliche Grenze behauptete, führt dieser Gebirgsstrahl den Namen des T. W's. Im Fürstenthume Eisenach beginnend, zieht er sich längs der Südwest- und Südgrenze des Fürstenthums Gotha und der oberen schwarzburger Herrschaft, und sodann durch das Meiningische, später unter dem Namen des Frankenwaldes bis in den bairischen Obermainkreis hinein. Seine schönen, tiefen Thäler, die herrlichen wasserreichen Waldgründe, die schattigen Hochforste, pittoresken Felsenkämme, aussichtreichen Bergspitzen, die freundlichen Städte und Dörfer, – Alles umgibt den Wanderer mit den buntwechselndsten Genüssen. Bald muß er aus dem tiefen Thale die steile Felsenwand erklimmen; bald schlägt er die schattigsten Waldpfade ein, rastet auf dem moosigen Tannen- oder Buchengrund, nimmt in dem klaren Gewässer des einsamen Waldbachs ein stärkendes Bad oder besucht die zerstörten Burgen, um unter ihren Trümmern sich dem Gedanken an die Vergangenheit hinzugeben. Stolz erhebt der Inselsberg sein Haupt (2900 F. hoch) über den ganzen Gebirgsstrahl und leuchtet weit hinein in das Land mit seinem altergrauen Scheitel. Vortreffliche Fernsichten gewähren auch der Schneekopf, der Gückelhahn, der Burgel und der Dolmar mit seiner großen runden Basaltkuppe am Ende des südwestlichen Gebirgsarms. Das Bad Liebenstein (s. d.), das Schloß Altenstein, die Wartburg (s. d.), das malerische Schwarzethal, das freundliche Rudolstadt und Meiningen, sind nur einzelne lichte Punkte aus dem herrlichen Panorama dieses Waldgebirgs. Besonders merkwürdig ist auch der sogenannte Rennsteig, ein überall fahrbarer Weg, der sich über den Gebirgskamm ununterbrochen auf einer Strecke von 20 deutschen Meilen fortzieht und die Grenze zwischen Franken und Thüringen bildet. Bestandtheile des Gebirgs sind die meisten Länder der Sachsen-Ernestinischen Linie, ein großer Theil des Schwarzburgischen Gebiets, der Kreis Schmalkalden des Kurfürstenthums Hessen, und ein Theil der preußischen Provinz Sachsen. Reich an Holz und Eisen, gewährt es nur dürftige Ackerbenutzung und eine leidliche Viehzucht. Die Bewohner sind im Allgemeinen kräftig und wohlgebaut, behend und ausdauernd, und meist von mittlerem Wuchse. In vielen Orten und Gegenden zeichnet sich das weibliche Geschlecht durch ein lebhaftes, sprechendes Auge, regelmäßige Züge, blühende Farbe, schlanken Wuchs und Fülle der Gesundheit und Lebenskraft aus. Auf das Lob der Schönheit machen vorzüglich die Oberweißbacherinnen, Steinach rinnen und die Bewohnerinnen der Ortschaften um den Inselsberg Anspruch. Aber selten ist die Blüthe und Schönheit der Frauen von langer Dauer; die Ursache hiervon mag vorzüglich in dem zu frühen Heirathen liegen; denn die Fälle gehören gar nicht zu den seltenen, daß eine Frau im 23. Jahre schon Mutter von sechs Kindern ist.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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