Theodora, griechische Kaiserin

Theodora, griechische Kaiserin, die Gemahlin des griechischen Kaisers Justinian's des Großen, wurde in Paphlagonien geboren und kam noch ganz jung mit ihren Eltern nach Byzanz. Der Vater fütterte die für den Circus bestimmten wilden Thiere, die Mutter figurirte in niedrigen Rollen auf dem Theater, in welchem Gewerbe ihr die Tochter, welche zuvor auf dem Markte Wolle und ihre Reize verkaufte, nachfolgte. Bekannt durch Intriguen und Ausschweifungen der schmählichsten Art, wußte Theodora, nachdem der größte Theil der männlichen Jugend in der üppigen Kaiserstadt des Orients ihren Siegeswagen gezogen, sogar den Monarchen selbst in ihren Netzen zu verstricken und zwar so unauflöslich, daß er nach dem Tode seines Oheims und dessen streng sittlichen Gemahlin Euphemia, welche Beide die unwürdige Neigung zu Theodoren mit höchster Mißbilligung betrachteten, diese Letztere neben sich auf den Thron erhob. Arglist und Geiz, Stolz und Andächtelei zeichneten in dieser erhabenen Stellung Theodoren als Kaiserin bald nicht minder aus, als der sittenloseste Lebenswandel sie unter den Frauen den Verworfensten beizählte. Durch ihre Schönheit und ränkevolle Klugheit beherrschte sie Justinian gänzlich. Nach ihrem Willen wurden Feldherren und Minister ernannt, ihr Ausspruch galt beim Auferlegen der Steuern und selbst bei Religionsstreitigkeiten und Gegenständen der Gesetzgebung, wußte die schlaue Paphlagonierin ihren Einfluß geltend zu machen, ja Justinian trieb die Schwachheit so weit, daß er der Nachwelt schriftlich überlieferte, wie er bei ähnlichen Angelegenheiten die »sehr ehrwürdige, ihm von Gottgegebene Gemahlin« um Rath gefragt habe. Selten ist die reinste Tugend auf Erden durch äußere Zeichen so geehrt worden, wie in Theodoren die Sünde. Gleich den Ehrensäulen Eudoxiens und der heiligen Helena erhob sich im Vorhofe der arkadianischen Bäder, der auf ihren Wink entstanden war, ihr von einer kolossalen Porphyrsäule getragenes Standbild und die Diener der Kirche dankten öffentlich an heiliger Stätte dem Himmel für die in ihrer Person dem Throne gegebene Zierde Wirklich machte sich auch Theodora um Kirchen und Prachtbauten sehr verdient und verschönerte dadurch die Hauptstadt der Griechen, denen sie zugleich Gesetze dictirte. Auch führten, nur dieses Ruhmes eingedenk, viele später lebende Fürstinnen, des byzantinischen Kaiserthums gern den verrufenen Namen Theodora, welchen namentlich die ebenfalls aus Paphlagonien stammende T., »Gemahlin Kaiser Theophil's wieder zu gutem Klange brachte. Jene ist als Ketzerin von der Kirche verbannt, diese als Heilige von derselben aufgenommen worden und ihr Fest begehen die Griechen noch immer feierlich am 11. Febr. Sie war fromm und von unbescholtenem Lebenswandel und die Gläubigen jener Zeiten rechnen es ihr als hohes Verdienst an, daß sie den von ihrem Gemahle, mit welchem sie außerdem in der glücklichsten Ehe lebte, verfolgten Bilderdienst begünstigte und viele heilige Gemälde mit eigener Gefahr rettete, um sie nach seinem Tode der Verehrung der Kirche zurückzustellen. Noch bevor er starb, soll es ihr auch gelungen sein, ihn durch eindrückliche Ermahnungen zum rechten Glauben zurückzubringen und andachtsvoll ein Crucifix auf sein im letzten Kampfe bebendes Herz zu legen.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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