Theodosius, römischer Kaiser

Theodosius, römischer Kaiser, Flavius, T., römischer Kaiser, auch der Große genannt, geb. 345 zu Cauca im nördl. Spanien, wurde 379 vom Kaiser Gratian als Cäsar Augustus des Orients zu seinem Mitregenten erhoben. Gleich, im ersten Jahre seiner Mitregentschaft vertrieb er die Hunnen und Alanen aus seinem Reiche, besiegte die Ostgothen und machte sich in ganz Asien einen mächtigen Namen. Als Gratian's Nachfolger, Valentinian T., sich vergeblich zu behaupten suchte gegen seine Feinde, trat er als Beschützer seines neuen Mitkaisers auf, beruhigte den aufgeschreckten Occident, und zog 389 triumphirend in Rom ein. Später, als Valentinian durch Mördershand gefallen war, unterwarf er das ganze röm. Reich seinem Scepter; und es gelang seinem kraftvollen, feurigen Geiste, seiner Klugheit, seiner ununterbrochenen Thätigkeit und Wachsamkeit, wie seiner weisen Milde, die Ordnung im Innern herzustellen und den Barbaren aufs neue Ehrfurcht vor dem röm. Namen einzuflößen. Weniger erhob er sich in seiner religiösen Denkungsart über seine Zeit; doch gerade seine Unterwürfigkeit gegen die christlich-orthodoxe Geistlichkeit, namentlich gegen den Bischof von Mailand, erwarb ihm von dieser den Beinamen des Großen. Unkluger Weise theilte er bei seinem Tode (395) die unter ihm glücklich wieder vereinigten beiden Reiche wiederum unter seine beiden Söhne, Honorius und Arcadius. Von nun an sollten die beiden königlichen Schwäne sich nimmer wieder vereinigen; der elegische Abendwind des Untergangs wehte in leisen, wehmüthigen Ahnungen über den einsamen Occident; tief in seinen Purpurmantel hüllte sich der Orient und trotzte schweigend dem eindringenden Verderben, – bis beide Schwäne in verhängnißvoller Stunde die Wirbelfluth ergriff, und im Laufe der Zeit erst von Ravenna aus und dann am Hellespont das letzte Schwanenlied erklang von der untergehenden Cäsarenwelt, das letzte Athmen und Flattern des römischen und griechischen Adlers!

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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