Tiflis

Tiflis, kann als der Vereinigungspunkt zwischen Asien und Europa betrachtet werden. Ost sieht man an einem Tage Kuriere aus Petersburg, Engländer aus Madras oder Calcutta, Armenier aus Smyrna, Kaufleute aus Paris ankommen. Die Lebhaftigkeit der persischen Kaufleute, die Grandezza und Schweigsamkeit der Armenier und Türken, die endlosen Züge von Pferden und Kameelen, die Riesentransporte von Waaren aller Art aus den entferntesten Ländern: alles dieß gewährt ein eben so seltenes als interessantes Schauspiel voll der schärfsten Contraste. Ein immerwährender Umtausch der Erzeugnisse beider Welttheile belebt die zum Theil noch immer sehr engen und von orientalischem Schmutze bedeckten Straßen, da zu den vielen Fremden auch noch die einheimische Bevölkerung von ungefähr 40,000 Seelen kommt. Den herrlichsten Anblick gewährt T. von den Bergen der Umgegend aus. Die reizenden Gefilde, im Hintergrunde der nebelgraue Kaukasus, der Strom Kur, an dessen beiden Seiten sich die Stadt erhebt mit den vielen Thurmspitzen ihrer christlichen Kirchen, den eisgrauen Stadtmauern, den ehrfurchtgebietenden Cyklopenthütmen der alten Citadelle Narekla, ihrem Zeughause, dem ungeheuern Karavanserai und dem Palaste des Statthalters, – dieser Anblick entschädigt recht wohl für viele Schattenseiten, wie der Mangel an guten Land- und Verbindungsstraßen und schiffbaren Flüssen, und die niedrige Bildungsstufe, auf welcher die meisten Asiaten noch stehen, trotz dem, daß der hier residirende armenische Erzbischof vor längerer Zeit eine Schule gestiftet, worin in den vorzüglichsten Sprachen Europa's und Asiens, sowie in allen wissenschaftlichen Hauptzweigen, unentgeltlich Unterricht ertheilt wird. Und was die Kunst nicht schuf, ersetzt die Natur reichlich durch zwei liebliche Gegensätze am Himmel und in den Tiefen der Erde. Denn während der Himmel fast immer unbewölkt ist und man das ganze Jahr kaum 30–40 Regentage zählt, entspringen auf den benachbarten Anhöhen die berühmten heißen Quellen von T., und fließen in einem tiefen Bette längs der einen Seite des Bazars hin, wo auch die öffentlichen Bäder in Grotten angelegt sind. Die vornehmen Georgierinnen bringen in denselben jede Woche einen ganzen Tag, oft auch die folgende Nacht hin. Nach dem Baden werfen sie sich aufs Ruhebett und färben sich Haare und Nägel; und dieses immerwährenden Färbens wegen hat selbst die älteste Georgierin noch Haare so schwarz wie Ebenholz. Hier belegen sie sich auch ihr Gesicht überstark mit Roth und, Weiß; hier quälen sie sich ab, ihre Augenbraunen einander näher zu bringen, sie zu färben etc. – T. ist die Hauptstadt der Provinz Grusien (auch Grusinien und Russisch-Georgien genannt), und der Sitz des russ. Statthalters. Sie wurde um 455 erbaut und heißt ursprünglich nach ihren Quellen Tbilißi, d. i. Warmstadt.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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