Tomaszewska, Antoinette

Tomaszewska, Antoinette, eine der Heldinnen der polnischen Revolution vom Jahre 1830. In Samogitien 1814 geb., wurde sie im Kloster von Kroze durch Benedictinernonnen erzogen. Ein herrlicher, schlanker Wuchs von mittlerer Größe, das schöne, ins Blonde fallende Haar, das geistreiche, mädchenhaft kräftige Gesicht und der melancholische Blick aus ihren dunkelblauen Augen gaben ihr das Ansehen einer Amazone. In frühester Jugend schon ward sie von der glühendsten Liebe zur sarmatischen Volksthümlichkeit erfüllt, und dachte und träumte nur von dem Adler Polonia's, wie er heraufsteigen möge aus der Blutstätte von Praga, um über das heilige Warschau seine Fittige auszubreiten. Als daher die große Novemberwoche 1830 ausbrach, stürzte sie, sechszehn Jahr alt, nicht achtend ihres Geschlechtes noch der flehentlichen Bitten ihrer Familie, in das samogitische Lager, und ließ nicht ab mit glühenden Vorstellungen, bis sie ein Pferd und Waffen erhalten. Binnen wenig Tagen wußte sie beides gleich ihren männlichen Kameraden zu führen. Mit Kraft und Gewandtheit schwang sie die Lanze, trug vollständige Uniform und einen Dolch, trotzte in hundert Gefechten und Scharmützeln dem Tode, und focht mit ihrer Schwadron in der vordersten Reihe in der Schlacht bei Mankuni mit so beispielloser Unerschrockenheit, daß sie bei ihrer Rückkehr von der siegreichen Attaque von dem Heere mit einem allgemeinen Hurrah empfangen wurde. Gleich ausgezeichnet stritt sie bei Schawle und Powendenie, wo sie zum Unterlieutenant ernannt wurde. Und immer wußte sie dabei die Würde ihrer Weiblichkeit inmitten eines rohen Kriegerlagers herrlich zu bewahren, – eine Johanna d'Arc, eine kriegerische Vestalin, oder besser und wahrer, eine für ihr Vaterland kämpfende, lebende, athmende Polin! Als aber das Unglück hereinbrach über den so glorreich begonnenen Aufstand, da hatte sie keine Thräne, sondern nur einen stummen, tiefen Schmerz in ihrem Busen. Still und ernst ging sie mit dem General Roland auf das preußische Gebiet über, und Alles beeilte sich die wunderbare Jungfrau zu sehen. – Später verheirathete sie sich mit einem wackern polnischen Offizier, und die Liebe der Gattin und Mutter wird wohl ihren lindernden Balsam gelegt haben auf die Wunde, die ihrem Herzen das Unglück des Vaterlandes geschlagen.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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