Trappisten

Trappisten. Während eines heftigen Sturms, im Jahre 1140, gelobte ein Graf von Perche, der ziemlich sittenlos gelebt hatte, wenn er nicht Schiffbruch leide, auf seinem Gute ein Kloster zu errichten. Zu diesem Zwecke wählte er bei seiner Rückkehr auf seiner Besitzung in der Normandie ein wildes, tiefes Thal aus, in welches man nur auf einem schmalen, höchst gefahrvollen Fußpfade hinabgelangen konnte – daher der Name la Trappe, die Falle. Die Regeln des Klosters, das er daselbst erbaute, waren außerordentlich streng. Allmälig aber ließ man von der Strenge nach, bis ein außerordentliches Ereigniß eine Aenderung herbeiführte. Das Gut fiel nämlich durch Erbschaft dem Abbé Bouthillier de Rancé zu, der, zerknirscht von einer unglücklichen Liebe, im Jahre 1664 das Trappistenkloster gänzlich reformirte und die härtesten Bußübungen und Selbstpeinigungen zur Regel machte. Als er nämlich nach einer Abwesenheit von nur wenigen Tagen zu seiner Geliebten, einer Frau von der höchsten Schönheit und Lebhaftigkeit, zurückkehrte, sah er statt der reizenden Monbazou im Scheine einer blauen Lampe auf der Toilette ein mit Blut beflecktes Haupt. Und als er sich umblickte, bemerkte er ihren Leichnam in einem Sarge, der zu klein gewesen war, so daß man den Kopf abgeschnitten und ihn auf einem Teller auf den Tisch gestellt hatte. Dieser schreckliche Anblick veranlaßte ihn zu dem Entschlusse, der Welt zu entsagen und in das Kloster von La Trappe zu gehen, dessen Reformator er wurde. – Die Mönche von La Trappe sind zu ewigem Stillschweigen verdammt; sie dürfen nur Grünes essen und Wasser trinken. Um zwei Uhr stehen sie auf, arbeiten nach der Frühmette an ihrem eigenen Grabe, um sich an ihren Tod zu erinnern, tragen auf der bloßen Haut ein härenes Gewand und schlafen auf Stroh. Erst auf seinem Todbette hat ein Trappist das Recht, seine Brüder anzureden; nach seinem Hinscheiden wacht immer ein Theil der Mönche bei ihm und singt in zwei Chören bis zu seinem Begräbniß. Er wird ohne Sarg in seiner Kleidung in die Grube gelegt; hierauf wird eine neue Grube halb eröffnet. – Die T. haben sich durch alle Stürme der Zeit erhalten. 1827 wurde ein Trappistenkloster bei Dijon für Frauen gegründet; und am 30. August 1833 die restaurirte Kirche des alten Klosters du Perche in der Normandie unter einem unglaublichen Zulaufe eingeweiht.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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