Trauer

Trauer, die, ist ein vorzüglicher, charakteristischer Theil der Sittengeschichte der Völker. Vieles hierüber, sowie über die Beerdigungsfeierlichkeiten überhaupt, ist in dem Artikel Grabmäler gesagt worden. Hier nur noch folgende ergänzende Notizen: Die T. zerfällt jetzt bekanntlich in eine tiefe um die nächsten, in eine Halbtrauer um entferntere Verwandte, und in die Austrauer, als der Beendigung der Trauerzeit. Die Hoftrauer bezieht sich auf die Hofdienerschaft, die Kammertrauer nur auf die fürstlichen Personen und ihre nächste Umgebung. Beim Ableben eines Landesherrn oder seiner Gemahlin oder Witwe tritt die Landtrauer ein. Alles dieß ändert sich jedoch von Jahr zu Jahr, und die Zeit macht an die Trauerförmlichkeiten immer neue und zwar geringere Forderungen. Die Trauerfarben sind bei vielen Völkern verschieden. Trauern die Europäer gewöhnlich schwarz, so bedienen sich die Syrer der himmelblauen oder violetten Farben. Am franz. Hofe (wenigstens bisher) trauert der König ebenfalls violett, die Königin bei Lebzeiten ihres Gemahls kastanienbraun, als Witwe weiß. Die alten Könige von Castilien wurden weiß, der Doge von Venedig roth betrauert. Die Aegypter trauern dunkelgelb, die Aethiopier grau oder braun, die Chinesen und Japanesen weiß, die Türken blau. Der Wahl dieser Farben liegt fast immer eine tiefere Bedeutung zu Grunde. So wähnen z. B. die Syrer, das Himmelblaue bezeichne den Ort, den man den Todten wünscht. Die Aegypter sind der Meinung, das Dunkelgelbe stelle das Ende des Lebens und aller irdischen Hoffnungen vor, weil die verwelkten Blätter auch gelb werden. In Aethiopien gründet sich die Wahl der Trauerfarbe auf die der Muttererde, wohin die Todten zurückkehren. Durch die weiße, als Trauer der Chinesen und Japanesen gewählte, Farbe soll die Reinheit des Lebens der Verstorbenen angedeutet werden.

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http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Trauer — Trauer, 1) die durch ein schmerzliches Ereigniß veranlaßte niedergeschlagene Gemüthsstimmung. 2) Die Äußerung des Schmerzes über den Verlust der Seinen durch den Tod. Die Juden erhoben dabei die Hände u. schlugen sie über dem Kopf zusammen, od.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Trauer — Trauer, die durch ein betrübendes Ereignis, namentlich durch den Verlust nahestehender oder verehrter Personen, oder durch die Erinnerung an solche Verluste (wie in den religiösen Trauerfesten um Adonis, Osiris etc.) verursachte Gemütsstimmung… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Trauer — Engel der Trauer – Grabmal auf dem protestantischen Friedhof von Rom Der Begriff Trauer bezeichnet die durch ein betrübendes Ereignis verursachte Gemütsstimmung und deren Kundgebung nach außen, etwa durch den Verlust nahestehender oder verehrter… …   Deutsch Wikipedia

  • Trauer — Traurigkeit; Betroffenheit; Kummer; Gram * * * Trau|er [ trau̮ɐ], die; : 1. seelischer Schmerz über ein Unglück oder einen Verlust: diese Nachricht erfüllte ihn mit Trauer; in Trauer um einen Verstorbenen sein. Syn.: ↑ Schwermut, ↑ Wehmut (geh.) …   Universal-Lexikon

  • Trauer — 1. Die Trauer um die Gattin währt bis zur Thür. It.: Doglia di moglie morta dura insino alla porta – Il duol della moglie è come il duol del gomito. Port.: Dor de mulher morta, dura até a porta. (Bohn I, 276.) 2. Grosse Trauer ist nicht von Dauer …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Trauer — Trau·er die; ; nur Sg; 1 Trauer (um jemanden / über etwas) ein tiefer seelischer Schmerz, den man z.B. empfindet, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder wenn man von jemandem schwer enttäuscht wurde <tiefe Trauer; Trauer empfinden> || K :… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Trauer — die Trauer (Grundstufe) intensiver seelischer Schmerz, Gegenteil zu Freude Beispiele: Sie weinte vor Trauer. Nach ihrem Tod hat ihn Trauer überkommen. die Trauer (Aufbaustufe) schwarze Kleidung, die als Ausdruck des Schmerzes über den Verlust… …   Extremes Deutsch

  • Trauer — trauern: Das Verb mhd. trūren, ahd. trūrēn (niederl. treuren ist aus dem Dt. entlehnt) ist wahrscheinlich verwandt mit got. driusan »fallen«, aengl. dreosan »‹nieder›fallen« und aengl. drūsian »sinken; matt, kraftlos werden«. Seine… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Trauer — Elend, Jammer, Kreuz, Kummer, Leid, Leidensweg, Qual, Schmerz, Seelenschmerz, Unglück; (geh.): Betrübnis, Gram, Kümmernis, Pein, Trübsal. * * * Trauer,die:⇨Traurigkeit TrauerMelancholie,Schwermut,Verdüsterung,Trübsinn,Schmerz,Leid,Weltschmerz,Wehm… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Trauer... — Trauern …   Universal-Lexikon

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