Australien (Geographie)

Australien (Geographie). Der zuletzt entdeckte Welttheil, welcher Anfangs von seinem größten Continent, und durch die Holländer, die dasselbe auffanden, Neuholland, später Südindien, der vielen Inseln wegen Polynesien, und endlich Australien genannt wurde, so daß diese Namen, völlig gleichbedeutend, die Inselwelt bezeichnen, welche den fünften Welttheil ausmacht, zwischen Afrika und Amerika, südlich von Asien gelegen ist, und einen Flächenraum von 170,000 Quadrat Meilen einnimmt. Die größte dieser Inseln ist Neuholland, beinahe so groß wie ganz Europa. Ueber die wahrscheinliche Entstehung dieser Inseln herrscht kein großer Meinungsunterschied; sie zeigen ihren vulkanischen Ursprung zu deutlich, als daß man zweifeln könnte; eben so klar spricht sich bei anderen die Entstehung durch Corallen aus. So sind fast alle ganz kleine durch diese Thierchen aufgebaut, welche fast unsichtbar, durch tausendjährigen Fleiß, ein Gebäude aufführen, das vom Boden des Meeres emporsteigt, bis es dessen Fläche berührt und nun nach und nach durch Flechten, Moose, durch thierische und Pflanzenstoffe, welche der Zufall darauf trägt, befruchtet – endlich wiederum nach Jahrtausenden so weit gedeiht, daß es Bäume, große Pflanzen tragen und somit Menschen und Thiere ernähren kann, welche dann auch nicht säumen, sich darauf niederzulassen. Daß vulkanische Kräfte die größern Inseln vom Boden des Meeres herausgehoben, sieht man an den vulkanischen Producten, welche sie tragen, an den noch tobenden, fürchterlichen Feuerbergen, an der Wärme des Bodens, u. s. w. Eine Schilderung im Allgemeinen zu geben ist dieser Verschiedenheit wegen nicht möglich, ihr Aussehen wie ihr Inneres läßt sich nicht unter ein großes Bild zusammenfassen. Von dem Festlande Australiens, von Neuholland ziehen sich zwei große Inselketten, Neu-Guinea, Neu-Britannien, Luisiaden-, Salomons-, Hebriden-, Freundschafts-, Gesellschafts- und Marquesasinseln als erstere, ferner die Pelju- (Pelew-), die Ladronen-, Carolinen-, Marshals- und andere Inseln, als zweite, nach Amerika zu; Neu-Seeland ist ganz davon getrennt und liegt isolirt, nicht in der Inselkette; noch mehr ist dieses mit den Sandwichsinseln der Fall, welche mitten im stillen Meere in der nördlichen Hälfte liegen, zwar zu Australien, doch nicht zu einem der beiden großen Archipeln gehören. Da dieser Welttheil sich rechts und links vom Aequator ausbreitet und sowohl die heiße als die gemäßigte Zone durchstreicht, so ist das Klima dort auch nicht gleichmäßig, sondern es wechselt von tropischer Gluth bis zu bedeutenden Kältegraden, wie auf Neuseeland, welches sich dem 50° südlicher Breite nähert und auf der südlichen Spitze von Neuholland etc.; doch ist es dem größeren Flächenraum nach zu den warmen Klimaten zu zählen, gemildert durch die offene Lage im Ocean. Eine Fülle seltener Pflanzen (es sind nahe an 2000 ganz neue Arten auf dem Festlande und den Inseln entdeckt), und Thiere zeichnet diesen Welttheil aus. Alle den Tropenländern eigentümliche Gewächse, Palmen, Pisangs, Mango und Mangustine, Kokos und Areka, Baumwolle, Betel, Yams etc. sind in Menge vorhanden, allein nur dort vorkommend, sind die schönen, zarten, myrthenähnlichen Gewächse, die Melalenken, Metrosideros, Eucalyptus, und hundert und tausend andere mitunter von der seltsamsten Form. Ueberhaupt ist Australien das Land der Paradoxen, auf anderen Continenten sind die Gebirge der Kern des Landes, die Ebenen liegen der See zunächst; dort ist es umgekehrt, die Küsten sind gebirgig und zwar in solcher Art, daß sie Jahrhunderte lang für unersteiglich gehalten wurden, das Innere ist flach und statt eines Centralgebirges scheint ein Centralsumpf da zu sein. Die Flüsse laufen nicht von der Mitte nach der Peripherie, sondern von den Meeresufern nach dem Innern. Dort gibt es Bäume ohne Blätter (die Tannen sind hier nicht gemeint), die Casuarincen und einige Akazien, dort gibt es weiße Adler und schwarze Schwäne, Vögel ohne Federn, und Säugethiere mit Vogelköpfen und Schnäbeln, das Ornithorhynchus, Schnabelthier, doppelt seltsam, weil es nicht nur einen förmlich ausgebildeten Entenschnabel hat, sondern auch noch Eier legt wie ein Huhn, und diese, ein vierfüßiges Thier, ausbrütet, hierauf aber, wie jedes andere Säugethier, die Kleinen an seinen Brüsten Nahrung nehmen läßt. Dort gibt es Thiere, welche ihre Jungen in Säcken wie in einer Tasche umher tragen, das Beutelthier oder Känguruh. Thiere mit Fischschuppen, das Schuppenthier von brauner Farbe, ungefähr wie die Schilder des Stors, statt der Haare, merkwürdige Naturspiele, durch welche die Systeme der Naturforscher, die den Schnabel als Eigenthum der Vögel, das Eierlegen als von den Säugethieren ausgeschlossen, die Schuppen den Fischen gehörig, die Federn zum Begriff Vögel nöthig, erachtet haben, ganz umgestürzt worden sind. Die Inseln alle sind reich an Thieren aus allen Klassen, nur nicht an großen Quadrupeden und also auch nicht an Raubthieren. Was von Europa dahin geführt worden ist, gedeiht in bewundernswürdiger Vollkommenheit und vermehrt sich auffallend schnell; dagegen ist der ganze ungeheure Flächenraum, – weit genug, um eine dreimal so große Menschenmenge, als Europa hat, zu ernähren, so äußerst wenig bevölkert, daß man die Seelenzahl auf allen großen und kleinen Inseln wenig über zwei Millionen anschlagen kann. Die Europäer ausgenommen, (deren etwa 50,000 sein mögen,) theilen diese sich in zwei Racen, die Australneger oder Papua's, in und nahe bei Neuholland, von sehr häßlicher Körperbildung, dickem, unförmlichem, mit Wolle bedecktem Kopf, weit vorspringenden, affenartigen Eßwerkzeugen, von magerer, dickknochiger Beschaffenheit, ganz schwarz, auf der tiefsten Stufe menschlicher Bildung stehend, – und die Malayen von Otaheite und den Sandwichsinseln bis nach Asien verbreitet, ein Gegensatz zu den erstern; Menschen von vollendet schönen Körperformen, Gestalten, die jedem Bildhauer des Alterthums als Modell genügt haben würden, mit eben so schöner Gesichtsbildung, mit langem, geringeltem, schwarzem Haar, meistens nicht dunkler gebräunt als Italiener und Spanier; Frauen, oft von der überraschendsten Zartheit des Teints. Wie die Papua's oder Australneger stumpf, düster, furchtsam sind, so sind die malayischen Inselbewohner fröhlich, leichtsinnig, zur Liebe und zu Liebesabenteuern, überhaupt zum Lebensgenuß geneigt, gutmüthig, gesellig und gelehrig, mit Allem ausgestattet, was die Natur dem unverdorbenen Menschen nur schenken kann. Leider hat das englische Missionswesen, welches oft sehr ungebildeten Menschen anvertraut wurde, viel Unheil gestiftet. Sogar Religionskriege wurden durch selbiges veranlaßt, indem die friedlichen, unschuldigen Einwohner von Tahiti, empört durch jene von England zu ihrem Verderben Ausgesendeten, die Boten mit ihrem König Pomare II. verjagten. Dieser jedoch, von dem wahren Geist des Christenthums durchdrungen, von der Liebe, eroberte sein verlorenes Reich wieder und sagte zu den versammelten Feinden: Wenn ich noch ein Heide wäre, so würde ich euch als die Besiegten, alle tödten, da ich jedoch ein Christ bin, so liebe ich euch und verzeihe euch. Diese einfachen Worte machten auf jene Schooßkinder der Natur einen so tiefen Eindruck, daß sie sich sämmtlich taufen ließen. Die Religions-, sittlichen-, Rechis- und sonstigen Begriffe und gesellschaftlichen Eigenthümlichkeiten werden wir bei den einzelnen Theilen Australiens anführen, weil eine allgemeine Darstellung zu chaotisch ausfallen müßte.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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