Varnhagen von Ense

Varnhagen von Ense, Karl August. Dieser Meister charakteristischer Darstellung, der Gatte der genialen Rahel (s. d.), wurde 1785 zu Düsseldorf geb., und studirte in Berlin, Halle und Tübingen mit großem Eifer die philosophischen Wissenschaften nebst der alten Literatur. Schon im 18. Jahre trat er mit dichterischen Versuchen auf, und gab zugleich mit A. von Chamisso einen Musenalmanach für 1804–6 heraus. In Berlin traf er 1808 zuerst mit seiner nachherigen Gattin zusammen, und fühlte sich von ihrer wunderbaren, magisch anziehenden Persönlichkeit so gefesselt, daß es von nun an ein Hauptbestreben für ihn wurde, sich ihr Herz, und nachdem ihm dieß gelungen, eine festere Stellung in der Welt zu erringen. 1809 trat er in östreichische Kriegsdienste und erhielt nach der Schlacht bei Aspern das Officierpatent. Schwer verwundet wurde er vom Schlachtfeld von Wagram nach Wien gebracht, wohnte nach seiner Genesung den Feldzügen von 1813 und 14 bei und trat im letztern Jahre zu Paris als Diplomat in preuß. Dienste. Unterdeß war von ihm die »Geschichte der hamburgischen Ereignisse« (London, 1813) im Druck erschienen; bald darauf folgte seine »Geschichte der Kriegszüge d. Generals von Tettenborn in d. J. 1813 u. 14.« Nachdem er mehrere, zum Theil sehr wichtige diplomatische Posten bekleidet, lebt er jetzt, meistentheils in glücklicher Muße, mit dem Titel eines geh. Legationsrathes in Berlin. Unter seinen Schriften nennen wir außer den schon erwähnten noch: »deutsche Erzählungen« (Stuttgart, 1816); »Vermischte Gedichte« (Frankfurt a. M., 1816); »Göthe in den Zeugnissen der Mitlebenden« (Berlin,1823); »Biographische Denkmale« (Berl., 1824–30); »Die Sterner und die Psitticher. Novelle.« (Berl., 1831). Großes Interesse erregte seine Herausgabe der Briefe seiner Gattin, sowie die »Galerie von Bildnissen aus Rahel's geben.« – V. ist weniger genial als tiefgebildet, aber seiner selbst und der Welt bewußt, und zugleich selbstständig webend im Gefühle jenes Maßes, welches die göthische Prosa charakterisirt. Vorzüglich zeichnen sich seine biographischen Denkmale durch scharfe Charakteristik und eine lichtvolle, kunstreich geordnete Darstellung aus, obwohl auch ihnen, sowie fast allen Schriften V's eine etwas epische Breite und ein überwiegendes Streben noch einer mehr abstracten Schreibart, nach Verallgemeinerungen, mit Recht vorgeworfen werden dürfte.

S....r.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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