Vornamen

Vornamen, sind solche, welche Jemand neben dem Familiennamen führt, die jetzt gewöhnlich in der Taufe gegeben werden und deßhalb auch Taufnamen heißen. Sie sind uralt und waren bei allen alten Völkern gebräuchlich. Die Frauen der Römer wurden nach dem Geschlechtsnamen benannt, z. B. Livia, Tullia etc. Zur Vermeidung von Irrungen fügte man, im Fall mehrere Töchter da waren, die Zahl hinzu, z. B. Livia prima (die erste) etc. Jetzt sind die einfachsten Namen am gebräuchlichsten besonders die aus der Bibel schon bekannten, z. B. Maria, Anna, Elisabeth etc. In manchen Staaten dürfen nur die Namen von Kalenderheiligen genommen werden, in andern, z. B. Frankreich und England, ist diese Freiheit nicht beschränkt, und da kommen oft die barokksten zum Vorschein. Die russischen Frauen führen neben ihren Taufnamen noch den ihres Vaters, z. B. Paulowna, d. h. die Tochter Pauls. Wie alle Dinge, so unterliegen auch die Taufnamen der Mode. Bis zum 12. Jahrh. waren in Deutschland nur ursprünglich deutsche N. in Gebrauch. Dann kamen die biblischen und andern h. Namen, und zu Cromwell's Zeiten ganze biblische Sprüche. Im 17. Jahrh. war der N. Walpurgis, besonders auf dem Lande, sehr häufig. Vor dem 16. Jahrh. erhielten die Kinder nur einen Namen, später galten mehrere für ehrenvoller und in Folge dessen empfing 1794 ein spanischer Infant nicht weniger als 51! Auch politische Ereignisse haben schon curiose N. hervorgerufen; 1813 und 1814 erschienen (außer Victoria, Victorine) Blücherine, Landsturmine etc. nicht selten, 1830 aber nannte ein Pfarrer seine Tochter sogar Rebelline. – Z um Schluß sei hier noch ein komisches Ereigniß aus dem 16. Jahrh. erwähnt. König Franz I. bat nämlich die schweizerischen Eidgenossen als Gesammtrepublik zur Gevatterin bei der Taufe seines Kronprinzen, und diese nahm auch die Ehre bestens an, sich dabei nur die Wahl des Namens selbst vorbehaltend. Aber wie erstaunte der König, welcher einen bekannten franz. Namen, Heinrich, Karl, Ludwig etc. erwartete, als er vernahm, daß die Frau Gevatterin die im Buche des Propheten Daniel 1,7 vorkommenden Namen: Sadrach Abednego Mesach dem Dauphin zugedacht habe. Natürlich wurde die Gevatterschaft schnell wieder aufgekündigt, was indeß nicht ohne Verlegenheiten für den König geschehen konnte.

S.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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