Wärme

Wärme, ist sowohl die Bedingung als das Erzeugniß alles tellurischen und organischen Lebens, der Elektricitäten und chemischen Prozesse; ohne sie existirt keine Flüssigkeit, und nur durch sie werden die starren Stoffe einer gegenseitigen Einwirkung fähig. Ihre Quellen sucht man 1) im gegenseitigen lebendigen Einwirken der Bestandtheile organischer Körper auf einander; 2) in der inneren Wärme des Erdkörpers; 3) in den Sonnenstrahlen, welche eigentlich nur leuchten, jedoch mit den in der Erdatmosphäre schwebenden Wärmetheilchen sich verbinden, und sie dann der Erde zuführen; 4) in der Elektricität; 5) im Feuer, ferner in andern chemischen Vorgängen, und 6) in vielen mechanischen Einwirkungen, als Reiben Stoßen etc. Alle organische Bestandtheile der Schöpfung besitzen, eine Wärmetemperatur, die ganz unabhängig von der äußern Luft ist; die Pflanzen und niederen Thiere die geringste, die Vögel aber bis auf 35 Grad R., die Säugethiere bis 30, der Mensch 29–30 Gr. R. Am leichtesten bestimmt dieser sie dadurch, daß er eine Thermometerkugel unter die Zunge bringt. Der Uebergang der freien Wärme in andere Körper erfolgt als strahlende W., meist mit Licht verbunden, und ebenso rasch als dieses, durch Sonnenstrahlen etc; soll die W. durch feste, durchsichtige Gegenstände dringen, so erscheint das Licht der Sonne als nothwendiges Requisit, wie denn z. B. die Sonne durch Glasscheiben wärmt, während diese Kaminfeuer nicht durchlassen. Geleitete W. beruht auf unmittelbarer Mittheilung und allmäliger Durchdringung, geht indeß mitunter auch in strahlende W. über, wenn der durch Leitung im hohen Grade erhitzte Körper seine W. strahlend verbreitet. Unter den Metallen leiten die edlen die W. am Besten, d. h. sie nehmen die W. schnell auf, lassen sie aber auch schnell wieder entschwinden; Wolle, Federn, Pelzwerk, Seide, Haare sind dagegen schlechte Wärmeleiter und schützen deßhalb den Körper am Besten gegen Kälte, indem sie seine W. zusammenhalten. Helle Farben nehmen weniger W. an als dunkele, ebenso glatte Stoffe weniger als rauhe. Ueber die Natur der W. herrscht noch große Ungewißheit, doch nehmen die meisten Naturforscher jetzt an: sie bestehe aus einem höchst seinen, den Uebergang zum Geistigen bildenden, materiellen Stoffe, welcher sich mit allen Körpern in verschiedenem Maße verbinde, und, indem er um ihre Atome eine höchst elastische Atmosphäre bilde, dadurch ihre Ausdehnung bewirke. Vergl. d. A. Dampf, Feuer, Licht, Sieden, Thermometer.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Synonyme:

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