Wachs

Wachs, das feste vegetabilische Fett, welches den Beeren des Wachsstrauches und Wachsbaumes etc. zur äußeren Hülle dient, in größerer Menge aber von den Bienen (s. d) aus süßen Pflanzensäften bereitet, und zum Bau der Zellen benutzt wird. Alte Stöcke liefern gelbes und röthliches, junge weißliches (Jungfern-) W., für den Handel bleicht man indeß meist beide Sorten. Der häufige Gebrauch des W. in der Medicin und Haushaltung (Lichter etc), zu Modellen, zum Siegeln, Poliren etc. macht es zu einem lucrativen Handelsartikel, namentlich in katholischen Ländern, wo der Bedarf in den Kirchen etc. ungeheuere Massen verzehrt. Die besten Wachslichter kommen von Paris, Venedig und Hamburg. Wachsfiguren werden entweder gegossen oder bossirt. Bei den Griechen und Römern existirte eine eigene Klasse von Künstlern, welche die zierlichsten Figürchen, Früchte, Blumen, Kränze, Obstschalen etc. von Wachs herstellten, und damit Tempel und Häuser schmückten. Namentlich fehlte im Schlafzimmer der reichen Römerin selten der in W. schön bossirte Amor. Als Erfinder der lebensgroßen Wachsfiguren, die je nach der Geschicklichkeit des Künstlers mehr oder minder täuschende Aehnlichkeit besitzen, gilt ein Arzt de Nones, in Genua zu Ende des 17. Jahrh. lebend Später wurde diese Kunst durch Ercole Lelli, Giovanni Manzolini, Anna Manzolini Calza, Ferrini, Fontana, Pinson etc. auf einen hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, doch wird nur selten ein gebildetes Wesen, am wenigsten die zartfühlende Frau, reinen Kunstgenuß in unsern Wachsfigurencabineten finden. Trotz der sprechendsten Aehnlichkeit wirken die W. auf uns nur als Luggebilde, die eben durch ihr Scheinleben ihren wirklichen Tod um so klarer machen; sie überschreiten die Linie, welche das Kunstwerk von der Natur trennt, und erregen durch ihre Seelenlosigkeit Schaudern und Widerwillen. Nervenschwachen Frauen sollte der Besuch eines solchen Cabinets ohnehin nie gestattet sein. – Wachsleinwand oder Wachstuch führt jetzt nur mit Unrecht diesen Namen, denn statt des Wachses bedient man sich schon seit längerer Zeit des Leinölfirnisses zum Ueberziehen von locker und durchsichtig gewebter Leinwand, um diese dadurch gegen Feuchtigkeit und Nässe undurchdringlich zu machen. Zu Teppichen, Tischdecken, Tapeten etc. ist die W. jetzt recht en vogue, und verdient es auch, denn man erhält sie zu mäßigen Preisen äußerst elegant und zweckmäßig. Die feineren, theils einfarbigen, theils marmorirten oder mit Zeichnungen ausgemalten, Sorten kommen von Paris, Lyon, Leipzig, Berlin, Wien etc. Ueber Wachsperlen s. Perlen.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Wachs — Wachs …   Deutsch Wörterbuch

  • Wachs — Wachs, Wachsarten, ein Sammelbegriff für verschiedene Produkte aus den drei Naturreichen, die in gewissen physikalischen Eigenschatten eine Aehnlichkeit zeigen. Wirkliche Wachsarten, die von den Fetten durch den Mangel an Triglyceriden sich… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Wachs — (meaning wax in German language) may refer to: *Caitlin Wachs, American actress *Daniel Alfred Wachs, American musician *Joel Wachs, Californian politician *Larry Wachs, radio host*Wachs Arena, a multi purpose arena in Aberdeen, South Dakota …   Wikipedia

  • Wachs — Wachs: Das altgerm. Substantiv mhd., ahd. wahs, niederl. was, engl. wax, schwed. vax gehört zu der unter ↑ wickeln dargestellten idg. Wurzel. Vgl. auch die urverwandten Wörter lit. vãškas »Wachs«, russ. vosk »Wachs«. Das Wort bedeutet eigentlich …   Das Herkunftswörterbuch

  • Wachs — Sn std. (9. Jh.), mhd. wahs, ahd. wahs, as. wahs Stammwort. Aus g. * wahsa n. Wachs , auch in anord. vax, ae. weax, afr. wax. Außergermanisch vergleichen sich lit. vãškas m., akslav. voskŭ m. Wachs , also ig. (oeur.) * wokso oder * wosko Wachs .… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Wachs — [vaks] das; es, e; 1 nur Sg; eine Masse (von Bienen gebildet), aus der vor allem Kerzen gemacht werden || K : Wachsabdruck, Wachsfigur || K: Bienenwachs, Kerzenwachs 2 eine weiche Masse, ähnlich dem ↑Wachs (1), mit der man den Fußboden, die Möbel …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Wachs — Wachs, Bienen W., die feste, fettige Masse, aus der die Bienen ihre Zellen (Waben, s.d.) bauen, gelblichweiß bis dunkelgelb, wird in Wasser durch Umschmelzen gereinigt (gelbes W.) und besteht bes. aus roher Cerotinsäure und Myrizin; durch… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Wachs — (Cera), die Substanz, aus welcher zum größten Theil die zur Aufbewahrung des Honigs dienenden Zellen der Bienen bestehen. W. kommt auch im Pflanzenreiche sehr verbreitet vor, daher man Bienenwachs u. Pflanzenwachs unterscheidet. Von den Fetten,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wachs — Wachs, eine Gruppe fettähnlicher Körper, die in ihren physikalischen Eigenschaften sich kaum von den echten Fetten unterscheiden, aber beim Kochen mit Kalilauge kein Glyzerin geben. Sie werden an der Luft nicht ranzig, sind schwerer schmelzbar… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Wachs — Wachs. lat. cera, nennt man sowohl denjenigen Stoff, der aus gewissen Pflanzen, wie z.B. aus den Beeren der myrica cerifera schwitzt, als auch besonders den, der durch den Lebensproceß im 2. Magen und den Gedärmen der Bienen durch Umwandlung des… …   Herders Conversations-Lexikon

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