Wallfisch

Wallfisch, der gemeine oder grönländische, ohne Finnen auf dem Rücken, oben schwarz und unten weiß, erreichte früher eine Länge von 120–130 F., wird jetzt, der unaufhörlichen Nachstellungen wegen, selten über 70 F. lang gesehen, ist aber immer noch das größte aller bekannten Thiere. In der äußeren Gestalt gleicht er den Fischen, in Ansehung des innern Körperbaues aber, wie die übrigen säugenden Seethiere, den Landthieren, besitzt eigentliches Fleisch und wahre Knochen, und wiegt in der angegebenen Länge gegen 2000 Ctr. Der Kopf des Ungeheuers nimmt wohl den dritten Theil des ganzen Körpers ein, dagegen sind seine Augen nur wenig größer als die eines Ochsen; das gleiche Verhältniß findet auch zwischen Rachen und Kehle statt, denn während ersterer 7 F. breit, 12 F. hoch und 17 F. lang ist, kann durch die Kehle höchstens eine starke Faust dringen. Kleine Fische, Würmer und Krebse bilden seine Nahrung. Im Ganzen stumpfsinnig, liebt doch die Mutter ihr Junges zärtlich und setzt sich zu seiner Rettung den größten Gefahren aus. Im Schwanze haben die W. eine solche Stärke, daß sie nicht selten mit einem Schlage ein großes Boot zerschmettern. Sie leben in allen Meeren, am meisten um den Süd- und Nordpol; sonst fand man in Grönland ganze Scharen, seit mehreren Jahren gehen indeß die sogenannten Grönlandsfahrer bis zur Davisstraße und Bassingsbai, unter deren ewige Eisfelder sich die geängstigten Thiere zurückgezogen haben. Am gewinnreichsten ist wohl jetzt der Fang in der Südsee, westlich von Chile. Der Fang selbst gehört zu den gefährlichsten. Sobald das dazu ausgerüstete Schiff einen W. bemerkt, werden Schaluppen bemannt, die sich ihm ohne Geräusch nähern. Die stärksten Matrosen verwunden ihn nun durch Harpunen (dreischneidige Wurfspieße), welche an langen, starken Seilen befestigt sind. Sobald der W. sich getroffen fühlt, schießt er pfeilschnell in die Tiefe, kommt jedoch bald, von dem Blutverlust erschöpft, zum Athmen wieder an die Oberfläche, wo er dann von Neuem mit Harpunen, Lanzen etc. empfangen wird. Jetzt müssen die Boote sich von ihm entfernen, denn wüthend vor Schmerz, schlägt er furchtbar um sich und zertrümmert Alles, was er erreicht. Endlich läßt seine Kraft nach, das Meer ringsum in Purpur kleidend, stirbt er und wird zum Hauptschiff gezogen. Dieses nimmt nur die Barten, d. h. die hornartigen Platten im Oberkiefer, die den Fischbein geben, und den Speck, alles Uebrige den Eisbären, Raubfischen und Vögeln überlassend. Ein großer W. gibt 10 Ctr. Barten und 50–70 Tonnen Speck. Buffon schätzt das mögliche Alter des W. auf 1000, Scoresby auf 200 Jahre. – Zum Geschlecht der W. gehören der Finnfisch, Jupiter, Pottfisch (s. d.), Narwal, Delphin (s. d.) etc.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wallfisch — ist der Name von Anita Lasker Wallfisch (* 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz Raphael Wallfisch (* 1953), britischer Cellist; Sohn von Anita Lasker Wallfisch Des ehemaligen Steinkohlenbergwerkes… …   Deutsch Wikipedia

  • Wallfisch-Sound — Wallfisch Sound, Bai, s. Wallfisch 2) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wallfisch [1] — Wallfisch (Bartenwall, Balaena), Gattung aus der Ordnung der Walle u. der Familie der Bartenwalle, sie haben keine Rückenflosse; nur zwei Arten: A) Nordischer W. (B. mysticetus s. borealis); Aufenthalt: im Meer, gewöhnlich kalter Gegenden; um des …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wallfisch [2] — Wallfisch, großes Sternbild am südlichen Himmel, westlich des Eridanus; Meerungeheuer mit Vorderfüßen u. aufgerichtetem Kopf u. Wallfischschwanz. Durch seinen Kopf geht der Äquator. Nach Flamstead 97 Sterne, am Kopf der Stern zweiter Größe,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wallfisch [3] — Wallfisch, 1) (Wallfischbusen), Bucht der Ostsee bei Wismar; 2) (Wallfischbai, Whale Sound, Whale Bay), Bai des Atlantischen Oceans an der Westküste von Südafrika im Gebiete der Groß Namaqua …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wallfisch, der — Der Wallfisch, des es, plur. die e, eine Art sehr großer Fische, welche Lungen und warmes Blut haben, und daher die obere Luft nicht entbehren können. Sie sind in den nordischen Meeren am häufigsten, und begreifen wiederum verschiedene Unterarten …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Anita Lasker-Wallfisch — am 29. September 2007 in Traun Anita Lasker Wallfisch (* 17. Juli 1925 in Breslau) ist eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Elizabeth Wallfisch — (born January 28, 1952) is an Australian Baroque violinist. She is renowned for her versatility across repertoire from various musical periods, and her particular talent in playing the music of the Baroque.Wallfisch was a natural musician from a… …   Wikipedia

  • Raphael Wallfisch — is a British cellist.Wallfisch was born in London in 1953 into a family of distinguished musicians, his father the pianist Peter Wallfisch and his mother the cellist Anita Lasker Wallfisch, who is one of the last known surviving members of the… …   Wikipedia

  • Rafael Wallfisch — Raphael Wallfisch (* 1953 in London) ist ein britischer Cellist. Privates Er wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren. Seine Mutter war Cellistin und sein Vater Pianist. Die Mutter, Anita Lasker Wallfisch, ist eine der letzten bekannten… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”