Weben

Weben. Die Kunst zu weben, jetzt ein zunftmäßiges Gewerbe in den Händen der Männer, war den ältesten Völkern schon nicht unbekannt; ihre Entstehung verliert sich in die Mythen der Vorzeit, und fast immer waren es Frauen, denen man diese Erfindung zuschrieb. Narma, Lamech's Tochter, galt bei den Juden, Isis bei den Aegyptern, Athene bei den Griechen und Pamphilia auf der Insel Kos als Erfinderin des Webens. Eine der geschicktesten Weberinnen des alten Griechenlands war Arachne (s. d.), die selbst mit Pallas um den Preis rang und dafür in eine Spinne verwandelt wurde. Die Griechinnen, welche ganze Kleider aus Flachs und Wolle webten, verrichteten diese Arbeit stehend. Die Aegypter webten sitzend und ließen auch Männer daran Theil nehmen. In Arkadien wird König Arkas als derjenige genannt, welcher diese Kunst dort einführte. In Rom webten nur Frauen, als aber dort Luxus und Sittenverderbniß über Hand nahm, überließ man diese Arbeit den Sclavinnen, und jede vornehme Römerin hatte ihre besondere Spinn- und Webestube, wo sie nur selten selbst hinkam. Daß die Kaiserin Livia ihrem Gemahl, dem Kaiser August, die Hausgewänder selbst wirkte, wurde ihr als Ziererei und stolze Demuth ausgelegt. Von der Weberei der alten Deutschen ist uns wenig bekannt, doch wirkten ihre Frauen in Wolle und Flachs; erst im Mittelalter wurde man mit der Baumwolle und Seide bekannt, erfand verschiedene Weberstühle und mit diesen jene Menge seiner, glänzender Stoffe, in deren Verfertigung jetzt alle civilisirten Länder mit einander wetteifern, obschon fast jedes Land in irgend einem Stoffe Meister geblieben ist, denn man weiß z. B., daß Schlesien, Holland und Irland sich in der Leinwandweberei, Sachsen, die Niederlande und England in der Tuchweberei, England, Sachsen und die Schweiz in der Baumwollenweberei, Italien und das südl. Frankreich in der Seidenweberei etc. auszeichnen. In Baumwollensachen haben in neuerer Zeit die Maschinen den Weberstuhl gar sehr verdrängt.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Weben — Wêben, verb. regul. welches in doppelter Gestalt gefunden wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, sich bewegen, besonders, sich langsam bewegen; eine längst veraltete Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. In ihm… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • weben — Vst. std. (8. Jh.), mhd. weben, ahd. weban, mndd. weven, mndl. weven Stammwort. Aus g. * web a Vst. weben , auch in anord. vefa, ae. wefan. Dieses aus ig. * webh weben , auch in gr. hyphḗ Gewebe , gr. hyphaínō ich webe , ai. ūrṇavābhi f. Spinne …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • weben — weben: Das altgerm. Verb mhd. weben, ahd. weban, niederl. weven, engl. to weave, schwed. väva beruht mit verwandten Wörtern in anderen idg. Sprachen auf der idg. Wurzel *u̯ebh »weben, flechten, knüpfen; sich hin und her bewegen, wimmeln«, vgl. z …   Das Herkunftswörterbuch

  • Weben — (hierzu Tafel »Webstühle I und II« mit Text), die Herstellung von Stoffen (Zeugen, Geweben, s. d.), deren Fäden sich rechtwinklig kreuzen und aus zwei Fadensystemen bestehen, der in der Längenrichtung verlaufenden Kette (Zettel, Werft, Schweif,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • weben — V. (Mittelstufe) etw. durch kreuzweises Verbinden von Fäden herstellen Beispiel: Die Spinne webt ihr Netz. Kollokation: einen Teppich weben …   Extremes Deutsch

  • Weben — Weben, 1) Gewebe auf dem Webstuhle (s.d.) verfertigen; vgl. Webkunst. Diese Arbeit verrichten zünftige Handwerker, die Weber, welche nach Verschiedenheit der Waare, welche sie liefern, Lein , Tuch , Zeug , Barchent , Seiden , Sammetweber heißen;… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Weben — Weben, s. Weberei …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Weben — Weben, das regelmäßige Zusammenflechten biegsamer Fäden zu einem zusammenhängenden Körper (Gewebe, Zeug); der Hauptsache nach besteht ein Gewebe aus parallel in die Länge ausgespannten Fäden (Kettenfäden, Zettel, Aufzug) und in die Quere… …   Herders Conversations-Lexikon

  • webēn? — *webēn? germ.?, schwach. Verb: nhd. schweben; ne. hover; Etymologie: unbekannt …   Germanisches Wörterbuch

  • Weben — Zur Betätigung eines Webstuhls wird die aus einer die Breite des Gewebes bestimmenden, oft sehr großen Anzahl von Kettenfäden gebildeten, auf einer Walze (Kettenbaum) A (Fig. 1) aufgewickelten Kette über einen sogen. Schleifbaum a geführt, dann… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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