Wieck, Clara

Wieck, Clara. Es herrschte vor noch nicht langer Zeit an unserem deutschen Musikhimmel die Epidemie der Klassicität. Die heitern Kinder der hesperischen Gefilde unterlagen dem Anathema, das ganze musikalische Deutschland wollte und sollte sich fügen unter Bachs steife Fugen, en fin es war die deutsche Reifrock-Episode der Musik Aber die Luft am Leben war zu groß, das steife Gewand konnte der frischen, kräftigen Jugend nicht munden, und als nun endlich der bleiche, hagere Mann, der Violin-Messias über die Alpen stieg und mit seinem geheimnißvollen Bogen die G-Saite strich, daß es wiedertönte von einem Meere zum andern und wiederhallte in Millionen Herzen, da regten sich auch Deutschlands steife Glieder und schickten sich an zur romantisch-musikalischen Wallfahrt. Auch die handelnde Pleißenstadt, die materielle, stellte ihre Priesterin, die jugendliche Clara Wieck, daß sie mit einläute das neue Musikfest, wo Liszt, Chopin, Tahlberg etc. so gewichtige Rollen übernommen hatten. Geb. 1818 in Leipzig, einzig und allein von ihrem Vater gebildet, entwickelte C. W. bereits in ihrem 12. Jahre eine so große Virtuosität auf dem Clavier, daß sie schon damals mit Recht in die Schranken der Künstler trat. Die Romantik der neuern Zeit belebte die jugendlichen Schwingen nur kräftiger, Reisen durch Deutschland, Frankreich etc. rechtfertigten den Beifall, welchen das Vaterland ihr schon so reichlich gespendet hatte. Ihr Spiel ist nicht rund und weich, wie das des verstorbenen Hummel, nicht elegant, wie das von Moscheles, oder glänzend, wie das von Kalkbrenner: es ist das Leben in allen seinen Nüancirungen, Schatten und Lichtern, vielleicht etwas preciös kokett dargestellt, aber stets von echter Künstlerweihe umflossen. Noch fehlt ihr vielleicht jene plastische Ruhe, welche einem Meisterwerke die letzte Vollendung aufdrückt, aber in einem solchen Alter hat das Künstlerleben auch noch eine weite, unbeschränkte Fernsicht.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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