Bacchus

Bacchus, griechisch Bakchos, Dionysos. Der feuergeborne Sohn des Zeus und der Semele. Lange liebte sie der Gott, und sie trug schon das Unterpfand dieser Liebe im Schooß, als die eifersüchtige, ränkevolle Here (Juno) ihr Zweifel gegen die Gottheit des Geliebten einflößte, und sie zu der unheilvollen Bitte verlockte: Zeus möge sich ihr als Gott zeigen. Die Unglückliche nahm vorher dem Geliebten einen Schwur ab, der selbst Göttern unverbrüchlich war, den Schwur beim Styx, ihre Bitte zu erfüllen; Zeus leistet ihn, sie sprach es aus, das verhängnißvolle Wort, und von Blitzen umloht, erblickte sie einen Augenblick lang in seiner schrecklichen Majestät den Donnergott, und stürzte entseelt zu Boden. Ihrem Schooß entsinkt der Sohn, und aus allen Säulen des Saales sproßt frischgrüner Epheu, mit seinen Schatten das Götterkind vor den Flammen schirmend, die dessen Mutter verzehren. Noch war das Kind nicht reif zum Leben, und liebend birgt es Kronion in seiner Hüfte; nach drei Monaten empfängt den zweimalgebornen der schnelle Hermes (Merkur), der ihn zu freundlichen Nymphen auf dem Gebirge Nysa trägt, die mit liebender Sorgfalt das unsterbliche Götterkind pflegten; diese Nymphen waren die Hyaden, des Atlas und der Plejone Töchter, welche Zeus aus Dankbarkeit für solche Sorgfalt unter die Sterne versetzte. Bacchus wurde Erfinder des Weinbaues; da machte ihn die nie rostende Rache der Herc rasend. Er durchschweifte die Länder mit taumelnder Luft, und ein abenteuerliches Gefolge von Silenen, Faunen, Satyrn und Mänaden, rasende, trunkene Frauen und Mädchen, folgten ihm auf seinen Zügen nach, die für ihn zu lauter Triumphzügen wurden. So unternahm er den großen Zug nach Indien, lehrte Acker- und Weinbau, gründete Städte, und führte seinen Dienst ein. Von Indien zog er durch Arabien, Syrien, Aethiopien nach Aegypten. Nach diesen Zügen stieg er in den Hades hinab, holte aus dem Lande der Schatten seine Mutter, und eilte mit ihr den seligen Höhen des Olymps zu, wo er mit ihr, die nun Thyone hieß, die Unsterblichkeit der Götter theilte. Er war ein milder und freundlicher Gott, mit ewigholder Jugendlichkeit geschmückt, aber auch ein strenger und grausamer Rächer des Unrechts. Als er aus Indien nach seiner Vaterstadt Theben zurückkehrte, wollten Agave, die Schwester seiner Mutter, und ihr Sohn Pentheus, seine Gottheit nicht anerkennen. Da bestrafte der zürnende Gott die Weiber mit wilder Raserei, sie rannten ungestüm auf den Berg Kythäron, wo Pentheus, den seine Mutter für ein Wild ansah, von dieser zerrissen wurde. Auf der Fahrt nach Naxos wußten die Schiffer nicht, daß ein Gott ihr Schiff betreten. Bacchus schlief weintrunken, und die Habsüchtigen hofften für den schönen Jüngling, wenn sie ihn als Sklaven verkauften, reichen Gewinn. Sie fesselten den Schlummernden. Aber plötzlich stand das Schiff, die Banden lösten sich von selbst, aus den Masten wuchs Epheu, breitblätterige Reben rankten mit schwellenden Trauben bis zum Gipfel der hohen Bäume, und in Löwengestalt trat der Gott vor die Entsetzten. Sie sprangen eilig über Bord, und in Delphine verwandelt, folgten sie dem ferneren Lauf des Schiffes, das von frohem bacchantischen Jauchzen hallte. Daß die Mythe diesen feurigen jugendlichen Gott nicht ohne mannichfache zärtliche Verbindungen lassen konnte, bedarf kaum der Andeutung. Aphroditen's Neigung zu ihm dankt Hymenäos sein Entstehen, und wie Dionysos die Ariadne beglückte, wurde bei ihrem Namen erzählt. Abgebildet wird Bacchus stets als wohlgenährter, weichlich-weiblicher Jüngling, über dessen ganzes Wesen eine heitre Anmuth und eine sanfte Behaglichkeit ergossen ist. Auf den tausenderlei Abbildungen erscheint er oft mit einer Stirnbinde. meist Epheu und Weinlaub bekränzt, Trauben haltend, und gefolgt von Satyrn, Silenen und Bacchantinnen; seinen Wagen ziehen meist Leoparden oder Tiger. Alte und neue Dichter haben ihn als Weingott in Liedern gepriesen und verherrlicht, und die Freudenopfer, die fröhliche Trinker ihm darbringen, sind nicht untergegangen mit dem alten olympischen Gott und seinem rauschenden Kultus.

–ch–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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