Zenobia, Königin von Palmyra

Zenobia, Königin von Palmyra, Königin von Palmyra, stammte von den ägyptischen Königen ab, herrschte von 267 bis 272 über einen großen Theil der östlichen Provinzen des römischen Reiches, war mit Odenatus, dem Haupte mehrerer Völkerstämme in der Nähe von Palmyra, und einem der Senatoren dieser mächtigen Stadt, vermählt, und theilte die Gefahren ihres Gatten in seinen kriegerischen Unternehmungen gegen die Perser und Scythen. Nichts desto weniger lastet auf ihr der Verdacht, Theil an dessen Morde genommen zu haben, der von seinem Neffen Maconius, der sich von ihm beleidigt glaubte, vollzogen ward. Sie strafte zwar den Thäter, erntete aber die Frucht des Verbrechens, und nahm im Namen ihrer Söhne Besitz von der Herrschaft. Mit Odenatus Tode hörte die Gewalt über Palmyra auf, welche der Senat nur diesem, als persönliche Auszeichnung verliehen hatte; seine kriegerische Witwe verachtete jedoch Senat und Kaiser, trieb einen gegen sie gesandten Feldherrn nach Europa zurück, und setzte die von Odenatus begonnenen Eroberungen fort, wozu ihr Claudius, der allzusehr mit den Gothen beschäftigt war, genug Zeit ließ. Bald erstreckte sich das Gebiet von Palmyra von den Ufern des Euphrats bis zum mittelländischen Meere, und von der arabischen Wüste bis zum Mittelpunkte Kleinasiens. Es ist sogar nicht unwahrscheinlich, daß diese ehrgeizige Fürstin den Plan hegte, das ganze römische Reich unter ihrem Scepter zu vereinigen, und gleich Cleopatra, von der sie abzustammen vorgab, das Capitol ihren Gesetzen zu unterwerfen. Allein Aurelian bestieg den Thron, und dieser ließ es seine erste Sorge sein, Z's Fortschritten Einhalt zu thun. Ungeachtet des Glanzes, der die Herrschaft dieser Fürstin im Osten umgab, war sie dennoch nicht befestigt. Das weite Reich umfaßte allzu ungleichartige Elemente; die Völker, die ihr Scepter regierte, waren durch kein gemeinsames Band, weder der Sitten und Sprache, noch durch das der Religion verbunden. Aurelian besiegte Z. bei Antiochien und Emesa, und belagerte sie in Palmyra. Die Stadt war mit Kriegsvorräthen aller Art reichlich versehen und schien durch ihre Lage einen langen Widerstand leisten zu können. Allein für die Verproviantirung war mit minderer Vorsicht gesorgt worden, daher Mangel an Lebensmitteln sehr bald fühlbar ward. Die stolze Z. verwarf es, sich dem Sieger zu unterwerfen, flüchtete auf persisches Gebiet, wurde jedoch erreicht, und als Gefangene vor den Kaiser gebracht, dem sie, auf die Frage: wie sie es hätte wagen dürfen, den Kampf mit den Kaisern zu beginnen, erwiderte: »Euch erkenne ich als Kaiser, Ihr wißt zu siegen; aber nimmermehr konnte ich mich unter die Herrschaft eines Gallienus beugen.« Diese Antwort blieb ohne Einfluß auf die wilden Gemüther der Illyrier, aus denen größtentheils die Legionen bestanden. Ungestüm verlangten sie der Königin Leben. In dem Augenblicke so drohender Gefahr verließ Z. die bisher bewiesene Festigkeit; zitternd bat sie um Gnade, und erkaufte ihr Leben durch Verrath an ihren treuesten Freunden. Ueber ihre ferneren Schicksale sind die älteren Schriftsteller uneinig. Zosimus zufolge ward sie von Aurelian nach Rom geführt, starb jedoch unterwegs oder nahm sich das Leben. Vopiscus sagt, sie habe ihr Schicksal mit Ergebung getragen, habe zu Rom Aurelian's Triumph verherrlicht und sei im Kreise ihrer Kinder zu Tibur in der Dunkelheit des Privatlebens gestorben. Z. war von seltener Schönheit; über ihr ganzes Wesen ergoß sich ein Zauber, der unwiderstehlich fesselte; sie besaß aber auch alle Schwächen ihres Geschlechts. Ihr Hof war ganz nach Art der Perserkönige eingerichtet, und wie diese ließ sie sich eine wahrhaft abgöttische Verehrung zollen. In ihrem Anzuge vermischte sich auf seltsame Weise weibischer Luxus mit der nur an Kriegern gewohnten Tracht. Nach Odenatus Tode trug sie mit der kaiserlichen Hauptbinde auch den kaiserlichen Wappenrock, der reich mit Edelsteinen verziert war. So gekleidet stellte sie sich an die Spitze des Heeres, und das Betragen römischer Feldherren nachahmend, feuerte sie jenes durch Reden zu Thaten an. Ueberall begegnet uns in Z's Charakter ein eignes Gemisch von Tugenden und Fehlern; ihrem ungebändigten Ehrgeize, ihrer Eroberungssucht und ihrer Verwegenheit setzen wir ihren kalten Muth in Gefahren, ihre Ausdauer in ihren Unternehmungen, ihren richtigen Ueberblick, und die Würde und das Ansehen, in dem sie ihre Herrschaft zu erhalten wußte, entgegen. Z's Vorbilder scheinen Dido, Semiramis und Cleopatra gewesen zu sein. Noch müssen wir zu ihrem Lobe hinzufügen, daß sie nicht nur den Künsten des Krieges, sondern auch denen des Friedens ihre Aufmerksamkeit zuwandte. Sie förderte die Wissenschaften, wo sie es vermochte und studirte selbst Geschichte, die beste Schule für Fürsten; besonders suchte sie sich mit der ihres Landes vertraut zu machen, von der sie einen Auszug verfaßte. Außer ihrer Muttersprache, der syrischen, war sie der griechischen und ägyptischen vollkommen mächtig.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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