Zingha, Königin von Matamba und Angola

Zingha, Königin von Matamba und Angola, die Tochter des Sultans Zingha-N-Baudi-Angola von Matamba, geb. 1582, war vom Geschick bestimmt im westl. Afrika die Rolle der Semiramis (s. d.) zu spielen, obgleich sich bei dem schwankenden politischen Zustande jener Länder und der Rohheit ihrer Bewohner nicht so glänzende Resultate herausstellten. Uebrigens befleckte sie ihren großartigen Charakter durch unbezähmbare Rachsucht und wilde Grausamkeit, die ihr bei den benachbarten Portugiesen den Namen der »Tigerin« zuzogen. – Z's Vater suchte, obgleich er mehrere Söhne hatte, ihr den Thron zu sichern, starb aber zu früh und Ngolambandi, der älteste Prinz, bestieg ihn. Bekannt mit Z's Ehrsucht und des Vaters Plänen, war seine erste Sorge ihren kleinen Sohn aus dem Wege zu räumen; doch dadurch reizte er die Schwester nur noch mehr, denn sie that ein Gelübde: nicht eher eine Thräne zu vergießen, bis ihr Sohn gerächt sei. Klug wußte sie das Volk und den Sultan zu einem Kriege gegen die Portugiesen zu reizen; er mißlang, wie sie es vorausgesehen, und nun eilte sie als Gesandtin ihres Bruders zum portug. Vicekönig nach Angola und schloß den Frieden. Nebenbei gelang es der Listigen, die Portugiesen für sich einzunehmen, zu welchem Zwecke sie auch Christin wurde. Ins Vaterland zurückgekehrt verleitete sie den Bruder zu einem zweiten Kriege, der noch unglücklicher ausfiel; Volk und Soldaten fielen vom Sultan ab und Z'a ließ ihn vergiften. Jetzt fielen auch ihre Neffen ihrer Rachsucht zum Opfer, und nicht eher ruhete die Grausame, als bis alle hingerichtet waren, die nur entfernt Ansprüche auf die Krone machen konnten. Doch verschonte sie zwei jüngere Schwestern, da deren furchtsamer Charakter nichts befürchten ließ. Jetzt am Ziel ihrer Wünsche begann sie ihre Civilisationspläne auszuführen, verschönerte die Residenz Matamba, ermunterte zum Acker- und Bergbau und regierte mit soviel Weisheit, daß ihre Schwächen, zu denen auch wollüstige Neigungen gehörten, ganz in den Hintergrund traten. Mit den Portugiesen kämpfte sie während 30 Jahre ohne Aufhören siegreich, nahm aber in ihrem 75. Jahre zum zweitenmal die vorher wieder abgeschworene christl. Religion an und starb 1663 in ihrem 82. Jahre. Sie besaß eine merkwürdig schnelle Fassungskraft, und die portug. Missionaire, welche in der letzten Zeit stets um sie waren, konnten die Geschicklichkeit nicht genug bewundern, womit sie alle Vortheile der Europäer den afrikanischen Sitten anpaßte. Ihre Unterthanen verehrten sie gleich einer Göttin.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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